
Der gefährliche Ruf nach einem Eingriff in den Handel
Die Rufe nach einer mehrtägigen Schliessung der Wall Street sind in den vergangenen Tagen immer lauter geworden. Angesichts des horrenden Tempos, mit dem gegenwärtig die Wertvernichtung an den US-Börsen vorangetrieben wird, steht eine zunehmende Zahl an Investoren einer temporären Schliessung des Marktes durchaus offen gegenüber, wie wir vom Handelsparkett in New York hören. Die Panik, welche in den vergangenen Wochen die US-Börse vor sich hergetrieben bzw. nach unten geprügelt habe, müsse wie eine Infektionskette unterbrochen werden, sagte uns jüngst ein Aktienhändler aus den USA. Selbst politische Akteure wie der amerikanische Finanzminister Steven Mnuchin haben sich jüngst mit diesem Thema beschäftigt. Er bekräftigte zwar, dass die Märkte weiter offen gehalten werden sollten. Eine Verkürzung des Handels sei aber durchaus eine denkbare Option, um die Gemüter zu beruhigen und der Politik Zeit zu verschaffen, um geeignete Mittel im Kampf gegen die Pandemie zu geben. Vor allem in der vorangegangenen Berichtswoche war es in den USA aufgrund der starken Kurskapriolen immer wieder zu Handelsunterbrechungen gekommen, um die massiven Kursverluste einzudämmen – meist ohne grossen Erfolg. Zwar beruhigte sich die Situation kurz nach Wiedereröffnung des Handels etwas. Der generelle Abwärtstrend konnte allerdings damit nicht aufgehalten werden. Gemäss den offiziellen Regeln wird der Börsenhandel um 15 Minuten unterbrochen, wenn der S&P500 um 7% sinkt. Sollte der S&P 500 um mehr als 20% sinken, würde der Handel für den Rest des Tages sogar ganz eingestellt. Einigen Marktteilnehmern sind diese Marken jedoch noch immer zu lasch. Stephen Innes, Chefstratege von AxiCorp, sagte beispielsweise, dass den Märkten in Zeiten der Coronavirus-Pandemie der Stecker gezogen werden müsse – ähnlich wie es nach den Anschlägen vom 11. September 2001 der Fall gewesen war. Damals war die Wall Street für gut eine Woche geschlossen. Natürlich scheinen solche Forderungen angesichts der immensen Verluste an den Aktienmärkten verführerisch. Doch u.E. hilft es nichts, die Augen vor der Wirklichkeit zu verschliessen. Wir fürchten, dass die Schliessung der Börse die Panik nur noch weiter schüren würde. Denn viele dürften einen solchen Schritt dahingehend interpretieren, dass die Lage komplett ausser Kontrolle geraten ist. Jeder würde versuchen, seine noch gehaltenen Aktien auf den Markt zu werfen – egal wie gross der Verlust auch sein möge. Eine Entwicklung, die sich bei Wiedereröffnung aufgrund der Unsicherheit, wie lange der Handel aufrecht gehalten wird, sogar noch verschärfen dürfte. Und wie lange müssten die Börsen überhaupt geschlossen werden? Ein paar Tage, Wochen oder bis die Pandemie nachhaltig abflaut? Dies kann Monate, im schlechtesten Fall Jahre dauern. Auch wenn es schmerzt – die Börsen müssen offen bleiben, um so etwas wie Normalität zu schaffen!
Konklusion:
Die Verluste an den Börsen sind sehr schmerzhaft. Wir sprechen uns aber eindeutig gegen die Schliessug der Börse oder die Verkürzung der Handelszeit aus. Dies würde erst recht Panik verursachen!