
USMCA ist wegweisend für Nordamerika
US-Präsident Donald Trump hat den Börsianern in der zurückliegenden Woche gleich zwei Weihnachtsgeschenke überbracht: So steht sowohl der neue Handelsvertrag zwischen den USA, Kanada und Mexiko (wenig fantasievoll USMCA abgekürzt) als auch das erste Teilabkommen (Phase 1-Abkommen) zur Beilegung des Handelskriegs mit China, womit die für vergangenen Sonntag geplanten neuen Strafzölle endgültig vom Tisch sind. In beiden Fällen gingen den Einigungen lange und zähe Verhandlungen voraus, wobei wir den USMCA deutlich positiver sehen als das USA/China-Abkommen. Letzterer ist, wie wir in den Vorwochen mehrfach betont hatten, ein Kompromiss auf dem kleinsten gemeinsamen Nenner – er basiert auf Punkten, die faktisch ohnehin wenig umstritten waren. China kauft mehr Waren und Güter aus den USA, bereitet eine weitere Öffnung des chinesischen Marktes vor und will den Schutz des geistigen Eigentums stärken.
Der vielleicht gravierendste Punkt, die massive Subventionspolitik der chinesischen Regierung, blieb unerwähnt. Dass die USA ihrerseits einen Teil der Strafzölle senkte, ist immerhin eine nette Geste – mehr aber auch nicht. Von einer umfassenden Lösung des Konfliktes, an dessen Ende die Straf-Zollschranken fallen, sind beide Länder unverändert weit entfernt und wird die Börse entsprechend auch noch im Jahr 2020 massgeblich prägen. Der USMCA, der Nachfolge-Vertrag des Nafta-Freihandelsabkommen, ging in der zurückliegenden Woche aufgrund der Annäherung zwischen den USA und China leider etwas unter. Denn der Deal, dem zweijährige Verhandlungen vorangegangen sind, ist ein Pakt der Superlative. Das Abkommen betrifft rund 500 Millionen Menschen in drei Staaten, deren Wirtschaftsleistung sich auf gut USD 28‘000 Milliarden summiert. Als US-Präsident Trump den Nafta-Vertrag kurz nach seiner Amtsübernahme kündigte, kam der Verdacht auf, dass er lediglich den alten Pakt in neue Kleider verpacken wolle, um sich von seiner Klientel als Sieger feiern zu lassen. Weit gefehlt: Denn USMCA ist nicht Nafta. Zwar basiert der neue Deal auf dem ehemaligen Freihandelsabkommen, nimmt aber neue Regelungen für die Autoindustrie vor, gewährt US-Farmern besseren Zugang zu den Märkten in den Nachbarländern und umfasst Vorschriften für den Schutz geistigen Eigentums und den Handel im Bereich Digitales.
Künftig sollen zum Beispiel elektronisch vertriebene Bücher, Musik oder Software zollfrei sein. Vor allem aber die Regelungen für die Autoindustrie sind umfangreich und folgen der Trump-Ideologie zur Reindustrialisierung der amerikanischen Wirtschaft. Denn der neue Vertrag legt auch neue Grenzwerte fest, zu wie viel Prozent ein Auto in einem der Mitgliedsländer gefertigt sein muss, um zollfrei exportiert werden zu können. Zudem sieht der Deal vor, dass 40% bis 45% der Auto-Bauteile von Arbeitern gefertigt werden müssen, die mindesten USD 16 pro Stunde verdienen.
Konklusion:
Der USMCA ist ein Handelsdeal der Superlative, bei dem sich alle Beteiligten als Gewinner sehen. Damit hatte vor zwei Jahren wirklich niemand gerechnet. Es ist ein Erfolg für Trump.