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Fundamentale Analyse - USA

Ökonomen streiten über die Ursachen
Der amerikanische Geldmarkt weist immer neue Stressphänomene auf. Erstmals vor gut drei Wochen musste die amerikanische Notenbank Fed einen Milliardenbetrag in den Markt pumpen, um ein sprunghaftes Anziehen der Zinsen zu verhindern (wir berichteten in Ausgabe 34/2019). Erstmals sprangen die Zinsen am Geldmarkt unerwartet auf gut 10% an, da der Markt schlicht ausgetrocknet war. Das Fed reagierte mit einer Geldspritze von gesamt USD 128 Milliarden an zwei Tagen, um den Liquiditätsengpass zu beheben – es war das erste Eingreifen am Geldmarkt durch das Fed seit der Finanzkrise 2008. Seitdem muss die Notenbank nun immer wieder mit zweistelligen Milliardenbeträgen einspringen, um drohende Liquiditätsengpässe und damit ein Ansteigen der Zinsen zu verhindern. Die Notenbank wird diese Praxis nach eigenen Angaben noch mindestens bis zum 10. Oktober fortführen, wobei als sicher gilt, dass das Fed ihre Stützungsmassnahmen darüber hinaus verlängern muss. Anfänglich wurde der Liquiditätsengpass auf ein ungünstiges Zusammentreffen verschiedener Faktoren zurückgeführt. Die Quartalszahlungen von Steuern und die Rückzahlung von Staatspapieren in Höhe von USD 78 Milliarden wurden zunächst als Ursache für den Liquiditätsengpass am Geldmarkt verantwortlich gemacht. Doch die Stimmen, die den Ursprung des Stressphänomens tiefer wähnen, mehren sich. Namhafte Ökonomen weisen zu Recht darauf hin, dass ein solcher Liquiditätsschwund häufig den Beginn einer Finanzkrise einläute. Man sollte die jüngsten Ereignisse am Geldmarkt nicht als rein technisches Problem abtun, warnen sie. Noch ist unklar, was wirklich hinter dem plötzlichen Austrocknen des Geldmarktes steckt. Zwei Faktoren dürften dabei aber eine tragende Rolle spielen: 1. In Folge der Finanzkrise mussten die Banken ihre flüssigen Reserven massiv aufstocken. Gemäss Berechnungen des Bank Policy Institute haben die Banken im Schnitt USD 1.45 Billionen Einlagen bei der Fed. Vor der Finanzkrise waren es nur USD 25 Milliarden. Heute müssen Geldhäuser Cashreserven halten, damit das Geschäft auch in Stresszeiten 30 Tage ungebrochen laufen kann. 2. Die amerikanische Notenbank hat durch ihre geldpolitische Normalisierung (vor allem durch den Bilanzabbau) dem Markt massiv Liquidität entzogen. Die Bilanzsumme des Fed ist von USD 4.5 Billionen auf mittlerweile USD 3.6 Billionen gesunken. Analysten glauben, dass dieses Abschmelzen etwas zu viel des Guten war. Es ist daher damit zu rechnen, dass das Fed die Bilanzsumme – durch neue Anleihenkäufe – wieder erhöht, um den Markt zu stabilisieren. Charles Evans, Chef der Fed Chicago, sagte beispielsweise: „Es kann sein, dass einfach eine grössere Bilanzsumme das Problem behebt.“ Zudem spielen Akteure des Fed mit dem Gedanken, ein ständiges Angebot an Repo-Krediten einzuführen – also im Grunde die gegenwärtigen Notfallmassnahmen unbegrenzt fortzusetzen. Ein Gedanke, der bereits seit März dieses Jahres beim Fed umherschwirrt.

Konklusion:
Noch ist unklar, was genau die Liquiditätsengpässe am US-Geldmarkt auslöst. Es deutet sich aber an, dass das Fed den Bilanzabbau nicht stoppt, sondern die Bilanz erneut aufblähen wird.