
Jerome Powell, der Chef der amerikanischen Notenbank, gilt als Freund der Aktienmärkte. Entsprechend freuten sich viele auf dem Handelsparkett, als der ehemalige Private-Equity-Manager vor gut einem Jahr die Nachfolge von Janet Yellen antrat. Sie, die Ökonomieprofessorin, die gerne lang, bedacht und vorsichtig argumentiert, hatte tolle Arbeit geleistet, darin waren und sind sich alle Beobachter fast unisono einig. Doch auch die kurze und prägnante Art von Powell kam am Markt gut an – ein willkommener Stilwechsel beim Fed.
Doch die Freude darüber hat sich in den vergangenen Monaten deutlich eingetrübt – dies hat auch die jüngste Pressekonferenz des mächtigen Notenbankers gezeigt. Eine Zinserhöhung im laufenden Jahr erscheint mittlerweile sehr unwahrscheinlich. Darauf weist zumindest der vierteljährliche Zinsausblick der Notenbank hin. Powell begründete dies mit einer Eintrübung der amerikanischen Konjunktur in diesem und im kommenden Jahr. Für dieses Jahr rechnen die Notenbanker noch mit einem Plus von 2.1%, nachdem sie ursprünglich von 2.3% ausgegangen waren. Für das kommende Jahr gehen sie von einem Wachstum von 1.9% aus. „Das Wachstum ging schneller als erwartet zurück. Zwar gab es 2018 in der US-Wirtschaft wenig Anzeichen für einen Rückgang. Aber die Daten, die wir bislang in diesem Jahr haben, senden gemischte Signale“, so Powell. Damit scheint klar zu sein, dass die Notenbank die Normalisierung der Geldpolitik abgeblasen hat. Der Flirt mit Leitzinssenkungen dürfte u.E. im zweiten Halbjahr dann beginnen. Es riecht ein wenig nach Panik in den Reihen der Notenbank. Dass die Notenbank bereits Ende September dieses Jahres zudem den Bilanzabbau beenden will, passt hierbei ins trübe Bild. Auch die Kommunikationspolitik des Fed-Chefs wird mittlerweile kritischer gesehen. Vielleicht sind kurze und prägnante Aussagen doch nicht die passende Strategie für einen Notenbankchef. Denn Powell hinterlässt mehr und mehr einen Kommunikations-Zickzack-Kurs. Zur Erinnerung: Noch im Oktober 2018 hatte Powell klargestellt, dass „noch ein weiter Weg“ bis zum neutralen Leitzinssatz – ein Niveau, bei dem die Wirtschaft weder wächst noch schrumpft – vorliege. Damals lag die Zinsspanne bei 2.0% bis 2.25%. Danach folgte im Dezember noch ein Zinsschritt. Nun also sieht der Notenbankchef den Leitzins bereits sehr nah am neutralen Niveau bzw. sieht er dieses Niveau bereits als erreicht an.
Powell versucht, den Märkten zwar die Angst vor einer zu straffen Geldpolitik zu nehmen. Zugleich nährt der Notenbankchef jedoch die Zweifel, dass die US-Konjunktur vor einer Schwächephase steht. Die Zinsstrukturkurve hat sich seit den Äusserungen von Powell weiter abgeflacht. Die Wahrscheinlichkeit einer inversen Kurve ist damit noch einmal gestiegen. Dies gilt als Vorbote einer Rezession in den Vereinigten Staaten.
Konklusion:
Die Äusserungen von Jerome Powell, Chef der amerikanischen Notenbank, hinterlassen viele unbeantwortete Fragen. Es fällt schwer, dem Zickzack-Kurs des Fed-Chefs zu folgen.