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Fundamentale Analyse - USA

Martin Feldstein, Harvard-Ökonom und einst einer der wichtigsten Berater von US-Präsident Ronald Reagen, hat als Keynote-Speaker am 12. Institutional Money Kongress 2019 aufhorchen lassen. Vor allem die Verfassung der amerikanischen Wirtschaft beunruhigt ihn. So erwartet der renommierte Ökonom noch dieses, spätestens aber im Jahr 2020 eine schwere Rezession auf die USA zukommen. Das Furchterregende dabei: „Die US-Regierung ist auf eine Rezession überhaupt nicht vorbereitet“, so Feldstein.
Zwar habe die Trump-Administration Ende 2017 die wichtigste Steuerreform seit dem Jahr 1986 durchgewunken, wodurch die Profitabilität, die Produktivität und die Reallöhne gestiegen seien. Auf der anderen Seite seien durch die Reform horrende Kosten für den Staatshaushalt entstanden, womit die Staatsschuldenquote drohe, aus dem Ruder zu laufen. Feldstein hält die Prognosen des Congressional Budget Office (CBO) als Wächter über die Budgetlage für nicht haltbar. Das CBO geht beispielsweise davon aus, dass die Staatsschuldenquote in zehn Jahren zwischen 70% bis 100% betrage. Die Verteidigungsausgaben sollen dabei von 4% auf 2% des BIP zurückgehen und das Budgetdefizit bei 5% des BIP liegen. Feldstein geht hingegen davon aus, dass die Militärausgaben aufgrund des bestehenden Modernisierungsbedarfs bei 4% verharren und Sozialausgaben nicht gekürzt werden, womit sich der Budgetabgang auf 9% p.a. summiere. Er sieht die Staatsschuldenquote daher schon bald auf 125% anwachsen. „Dann werden die Zinsen zu steigen beginnen, die Refinanzierung der Schulden wird teurer, die Staatsschuldenquote wird weiter steigen und die Regierung wird vor ihrem wichtigsten Problem stehen“, so Feldman. Um das Wachstum der Schulden einzudämmen, hält Feldstein eine Erhöhung des Rentenalters für nötig und machbar. Das Pensionsalter müsste mit langsamen Einschleifregelungen nun von 67 auf 70 Jahre ansteigen, damit die Zunahme der Lebenserwartung widerspiegelt und künftig an diese gebunden werden, meint Feldstein. Das werde den Mittelstand besonders treffen.
Mit Blick auf die nähere Zukunft der amerikanischen Wirtschaft sieht Feldstein – ähnlich wie wir in Ausgabe 07/2019 mit Blick auf die amerikanische Notenbank argumentiert hatten – die Fed schlecht gerüstet für einen konjunkturellen Einbruch. Die Notenbank hätte die Zinsen früher und aggressiver auf ca. 5% erhöhen müssen (akt. 2.25% bis 2.5%). Nun sei die Lage dafür zu fragil. Somit habe die Fed für die nächste Rezession nicht ausreichend Feuerkraft. Konnte sie doch in den vergangenen Rezessionen die Zinsen jeweils um mindestens fünf Prozent senken, so dass eine Rezession im Schnitt in den USA nur zehn Monate dauerte, hat sie heute nur die halbe Feuerkraft. Feldstein: „Die kommende Rezession wird wohl einen tieferen Einschnitt bedeuten und auch länger dauern.“

Konklusion:
Martin Feldstein gilt nicht als notorischer Schwarzmaler. Entsprechend sollten seine Warnungen ernst genommen werden. Er bestätigt in vielen Aspekten unsere eher pessimistische Sicht auf die USA.