Vor gut einem Jahr hatten wir in unserem Ausblick auf das Börsenjahr 2018 in den USA eine im Vergleich zu anderen Marktbeobachtern eher pessimistische Sicht vertreten. Zwar wollten wir einen Sturm des S&P500 über die 3‘000 Punkte-Marke nicht ausschliessen, sahen jedoch auch deutliche Korrekturrisiken. Gesamthaft hat sich unsere vorsichtige Herangehensweise an den US-Aktienmarkt im Rückblick daher als richtig erwiesen. Aktuell tendiert der marktbreite S&P500 gemessen an der Jahresperformance unter der Nullmarke. In den wenigen Tagen bis zum Jahresende 2018 dürfte sich daran nur wenig ändern. Allerdings könnte die amerikanische Notenbank Fed an der letzten Sitzung des Offenmarktausschusses (Mittwoch, 19.12. nach Redaktionsschluss) für eine Überraschung sorgen. Sollte das Fed tatsächlich ein baldiges Ende des Zinserhöhungszyklus in Aussicht stellen oder gar bereits eine Pause im Erhöhungszyklus einlegen, könnte dies dem US-Aktienmarkt kurzfristig nochmals Rückenwind geben.
Insgesamt ist der Ausblick für das kommende Börsenjahr in den USA jedoch getrübt. Die drohende inverse Zinsstrukturkurve, die eine baldige Rezession in den USA signalisiert, der Handelskrieg mit China, die wenig vertrauenerweckende Politik des US-Präsidenten und natürlich die Unsicherheiten in Bezug auf die Geldpolitik der amerikanischen Notenbank haben über den Märkten einen dichten, kaum durchschaubaren Nebel geworfen. Grundsätzlich halten wir auch 2019 an unserer tendenziell eher pessimistischen Sicht auf die US-Märkte vorerst fest. Allerdings betonen wir, dass wir die Upsidechancen deutlich höher sehen als das Downsiderisiko.
In unserem Basisszenario erwarten wir, dass die US-Administration zu Beginn des Jahres 2019 ihre Bemühungen, den Handelskrieg mit China beizulegen, deutlich erhöhen wird. Denn mittlerweile spüren auch die US-Unternehmen die negativen Folgen dieses Streits – nachdem sie lange Zeit immun gegen diese waren. Vor allem für Trump und seine „Make America Great Again“-Vision ist es jedoch zwingend notwendig, dass die Wirtschaft brummt. GM hat mit seinen jüngst vorgelegten Plänen, vor allem in den USA tausende Arbeitsplätze streichen zu müssen, gezeigt, dass Trumps Handelsstrategie je länger je mehr eine Hochrisikopolitik für die Wirtschaft ist. Auch China dürfte angesichts der drohenden Konjunkturabkühlung kein Interesse haben, den belastenden Konflikt noch länger am Leben zu erhalten. Wir gehen davon aus, dass der Konflikt bis Mitte 2019 beigelegt wird, was der Konjunktur auf beiden Seiten neue Kraft geben sollte. Eine Rezession erwarten wir in den USA daher nicht. Aufgrund der gegenwärtigen Gemengelage erwarten wir zugleich, dass das Fed 2019, nicht wie lange in Aussicht gestellt, drei, sondern maximal zwei, bei einem trägen Konjunkturverlauf sogar nur noch einen Zinsschritt durchziehen wird.
Konklusion:
Wir rechnen mit einem turbulenten ersten Halbjahr. In der zweiten Jahreshälfte dürfte sich die Lage jedoch beruhigen und die Kurse dürften steigen. Wir erwarten ein leicht positives Börsenjahr 2019.