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Jahr 2022

Fundamentale Analyse - USA

Die amerikanische Notenbank Fed hat erwartungsgemäss den Leitzins zum achten Mal seit Ende 2015 erneut um 25 Basispunkte erhöht. Damit liegt das neue Zins-Zielband bei 2% bis 2.5%. Viel wichtiger erscheint uns jedoch die langfristige Zinserwartung. Das Fed deutete an, dass in diesem Jahr voraussichtlich noch ein und 2019 nur noch drei Zinsschritte folgen werden, womit den Spekulationen, dass das Fed den Zins angesichts der starken amerikanischen Konjunkturdaten und einer sich abzeichnenden Lohninflation stärker anheben könnte, der Wind aus den Segeln genommen wurde. Eine aus unserer Sicht überraschende Aussage traf das Fed mit Blick auf das Jahr 2020. Denn die Notenbank peilt zum jetzigen Zeitpunkt nur noch einen Zinsschritt zu Beginn des dritten Jahrzehnts im 21. Jahrhundert an, womit der Zinserhöhungszyklus beendet sein dürfte. Damit scheint das Ende des Zyklus der Zinserhöhungen gesetzt. Dann dürfte das Leitzins-Zielband bei 3.25% bis 3.50% liegen und somit deutlich tiefer als auf den Höhepunkten der Zinshochs in den vorangegangenen drei Jahrzehnten. Vor der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/09 lag der Leitzins bei über 5%, auf dem Höhepunkt der Dotcom-Blase bei über 6% und 1989/90 sogar bei fast 10%. Damit scheint sich zu bewahrheiten, dass die Notenbanken aufgrund der seit Jahrzehnten steigenden Verschuldung zunehmend an Handlungsspielraum in Bezug auf den Leitzins verlieren. Sprich: Das Niveau der Zinshochs, an dem die Zinsen zu einer Belastung für die Wirtschaft werden und in der Folge eine Rezession in Gang setzen, sinkt kontinuierlich ab. Dass das Fed erstmals seit Jahren darauf verzichtete, die Geldpolitik als „zurückhaltend“ („accomodative“) zu bezeichnen, passt zum stärkeren Fokus auf das Ende des Zyklus der Zinserhöhungen. Wir werten dies als Zeichen, dass sich das Fed dem sog. neutralen Zinssatz annähert, bei dem die Wirtschaft weder wächst noch schrumpft. Der Wert liegt Fed-Chef Jerome Powell zufolge um 3%, lasse sich jedoch nicht exakt bestimmen. Die Notenbank versucht demnach, die noch boomende US-Wirtschaft auf eine weiche Landung vorzubereiten. Dabei würden steigende Zinsen das Wirtschaftswachstum leicht bremsen und die Arbeitslosenquote leicht anheben, ohne die Wirtschaft jedoch in eine Rezession zu stürzen. Nach Einschätzung von Ökonomen ist dies der Notenbank in ihrer 104-jährigen Geschichte jedoch nur einmal geglückt. Aber die Chancen, dass es der Fed diesmal gelingt, stehen unseres Erachtens gut. Denn in der Vergangenheit gab es neben einem heissgelaufenen Arbeitsmarkt auch immer eine Blasenbildung am Immo-Markt. Dies sehen wir aktuell jedoch nicht.
Konklusion:
Der starke Fokus auf das Ende des Zyklus der Zinserhöhungen hat uns überrascht. Das Fed versucht damit, die US-Wirtschaft auf eine weiche Landung einzustellen.