„Die Eurozone scheitert“
In Folge des Wahlergebnisses der Brexit-Abstimmung stufen wir die kurz- bis mittelfristige Gewichtung amerikanischer Aktien von „neutral“ auf „übergewichten“ herauf. Ähnlich wie beim Blick auf europäische Aktien, die wir kurz- bis mittelfristig von „über-“ auf „untergewichten“ heruntergestuft haben, stehen Sicherheitsüberlegungen im Zentrum unserer Entscheidung. Wir gehen davon aus, dass sich amerikanische Aktien im Vergleich zu ihren europäischen Pendants in den kommenden Wochen stabiler halten werden – wenn auch die Grundtendenz eine ähnliche sein dürfte. Sichere Häfen, wozu US-Dollar Anlagen – vor allem Staatsanleihen – sowie Gold und Silber und der Schweizer Franken gehören, dürften in den kommenden Wochen weit oben auf der Kaufagenda der Investoren stehen. Darüber hinaus ist aus unserer Sicht die Wahrscheinlichkeit, dass das Fed die im Dezember 2015 eingeläutete Zinswende nicht nur verschiebt, sondern in Anbetracht möglicher konjunktureller Tiefschläge ihre Geldpolitik erneut aufbläht und ein viertes Anleihenkaufprogramm initiieren wird. Neu erwarten wir 1. in diesem Jahr keine weitere Zinserhöhung mehr und 2. ist die Wahrscheinlichkeit, dass das Fed den Leitzins erneut senkt, unseren Prognosen zu Folge auf über 30% gestiegen. Wie dramatisch die Lage in Europa von amerikanischen Marktbeobachtern teilweise eingeschätzt wird, macht der ehemalige Fed-Chef Alan Greenspan in einem Interview deutlich. Das Brexit-Votum der Briten stelle für die Weltkonjunktur nur die „Spitze des Eisbergs“ dar, wie er gegenüber dem TV-Sender CNBC sagt. „Die globale Konjunktur steckt in ernsten Schwierigkeiten.“ Das „Ja“ der Briten sei auf eine „massive Verlangsamung“ der Wachstumsraten der Realeinkommen zurückzuführen – eine Entwicklung, die in ganz Europa zu beobachten sei. Daraus entstünden ernste politische Probleme, die sich nicht einfach lösen liessen. Hinter der Wachstumsverlangsamung stecke ein Rückgang der Arbeitsproduktivität. Die Regierungen müssten die Ansprüche senken, um darauf zu reagieren. Das grösste Problem sei nicht eine Rezession, sondern Stagnation. Greenspan warnte zugleich vor den möglichen Folgen, wenn Europa nicht auf die gegenwärtigen Entwicklungen reagiert. „Die Eurozone … scheitert“, so Greenspan weiter. „Griechenland hat richtig Ärger und wird nicht viel länger im Euro bleiben, unabhängig davon, was gerade passiert. Ich würde mir Sorgen machen“, so der ehemalige Chef der US-Notenbank. Aus unserer Sicht könnte die Brexit-Abstimmung, mit allen ihren kaum abschätzbaren Folgen, die Welt erneut in die Rezession stürzen. Wir ziehen derzeit sichere Häfen vor, die in konjunkturell unruhigen Zeiten zumindest einen Hauch Stabilität signalisieren.
Konklusion:
Sichere Häfen wie US-Dollar-Anlagen, Gold oder Investments in Schweizer Franken sind aus unserer Sicht derzeit vorzuziehen. Entsprechend erhöhen wir unser Votum für US-Aktien!