Ein Blick auf die Entwicklung an den internationalen Devisenmärkten dürfte dem US-Präsidenten Donald Trump zunehmend Kopfzerbrechen bereiten. Der Dollar gewinnt seit Monaten gegenüber fast allen Währungen deutlich an Gewicht. Jüngst mussten Anleger nur noch USD 1.1317 für einen Euro auf den Tisch legen – so wenig wie seit gut 12 Monaten nicht mehr. Auch gegenüber einem Korb der wichtigsten Weltwährungen erreichte der Greenback jüngst ein 13-Monats-Hoch. Trump dürfte dies überhaupt nicht schmecken. Denn der Präsident träumt eigentlich von einem schwachen US-Dollar, um der amerikanischen Exportwirtschaft Rückenwind zu geben. Nun aber verteuern sich amerikanische Produkte im Ausland – und das massiv. Dass Donald Trump – wie fast schon üblich – eine Verschwörung als Grund für den starken Dollar vermutet, ist wenig überraschend. Sowohl die Eurozone als auch China würden eine aktive Abwertung ihrer Währungen betreiben. Die vereinfachte populistische Sichtweise, um von den eigentlichen Ursachen abzulenken. Denn letztlich ist es der Präsident selbst bzw. die von ihm forcierte aggressive Aussen- und Handelspolitik, wodurch der US-Dollar einen derartigen Höhenflug erlebt. Trump sorgt mit seiner Zoll- und Sanktionspolitik unter Anlegern vor allem für eines: Unsicherheit. Entsprechend stehen gegenwärtig als sicher geltende Anlageopportunitäten hoch im Kurs. Dabei sind derzeit US-Treasuries, die mittlerweile wieder eine ordentliche Rendite bieten, im Zentrum der Anleger-Aufmerksamkeit. Die erhöhte Nachfrage stärkt letztlich den Dollar. Verschärft wird die Situation durch die Zinspolitik der amerikanischen Notenbank, welche den Renditespread zwischen US-Treasuries und beispielsweise Anleihen aus dem Euroraum noch ausweiten dürfte. Auch diesbezüglich muss sich Trump an die eigene Nase fassen. Denn durch seine Anfang des Jahres durchgepeitschte grosse Steuerreform und die Erhöhung der Staatsausgaben zwingt er die Notenbank Fed zum Handeln. Um eine Überhitzung der US-Wirtschaft zu vermeiden, muss sie den Leitzins aggressiver erhöhen als erwartet. Erwartete das Zinsgremium der Fed Anfang des Jahres noch drei Zinsschritte im Jahr 2018, geht man mittlerweile von vier Zinserhöhungen aus. Und das Risiko, dass das Fed ihre Zinspolitik angesichts einer steileren Inflationskurve noch aggressiver gestalten muss, ist unseres Erachtens hoch. Hinzu kommen Faktoren, die zwar den Dollar nicht direkt stärken, aber doch die „Vergleichswährung“ sinken lassen. Die Türkei-Krise drückt wegen der befürchteten Ansteckung des europäischen Finanzsektors auf den Euro. Zugleich könnte Italien bzw. der italienische Haushaltsentwurf die Angst vor einem Auseinanderbrechen der Währungsgemeinschaft wieder erhöhen – auch dies wäre Gift für den Euro. Und in China verdichten sich die Hinweise, dass der Handelsstreit mit den USA die Wirtschaft deutlich belastet.
Konklusion:
Der starke US-Dollar ist vor allem ein Ergebnis der US-Zoll- und Handelspolitik. Aus Anlegersicht könnte sich nach der starken Aufwertung nun eine USD-Short-Positionierung aber als attraktiv erweisen.