Die amerikanischen Anleger scheinen sich ihrer Sache sehr sicher zu sein: Die US-Wirtschaft brummt und wird noch eine ganze Weile expandieren. Man hört sie schon wieder, die Lobgesänge auf das ewige amerikanische Wirtschaftswachstum. Die sehr ansprechend verlaufene Berichtssaison für das zweite Quartal 2018 gab den Optimisten zusätzlichen Rückenwind. Basierend auf den bis heute vorgelegten Zahlenkränzen zog der Umsatz der im S&P500 notierten Unternehmen um gut 10% an, der Gewinn konnte – auch dank der US-Steuerreform – sogar um mehr als 20% ausgeweitet werden. Das Ausmass dieser Sorglosigkeit drückt sich im sog. Angstbarometer aus: Der Volatilitätsindex für den S&P500, der VIX, gibt anhand von Optionspreisen auf den marktbreiten Index die vom Markt erwartete kurzfristige Schwankungsintensität (implizite Volatilität) über 30 Tage in Prozentpunkten an. Im vergangenen Jahr sank der VIX nach und nach auf neue Rekordtiefstände unter 10 Punkten. Im Gegenzug erklomm der US-Aktienindex Rekordhoch um Rekordhoch – nichts konnte den azurblauen Börsenhimmel auch nur ansatzweise trüben. Wie schnell sich das Bild wandelte, zeigte sich dann im ersten Quartal 2018, als sich der VIX binnen zwei Handelstagen fast vervierfachte und die Börsenkurse absackten. Ein Zwischenspiel, wie sich zeigte. Denn in den folgenden Monaten sank der Index wieder deutlich und notierte zuletzt nur noch marginal über der 10-Punkte-Marke. Ein Indiz dafür, dass die Marktteilnehmer die bestehenden Risiken komplett ausgeblendet haben. Doch genau dieses Bewusstsein für Sorgen und Ängste, ein Schutz vor überbordender Euphorie, sollte eigentlich in der DNA eines jeden Anlegers liegen. Die Strafe für eine solche Sorglosigkeit – und das zeigt die Historie – wird kommen. Egal ob Finanzkrise, Dotcom-Bubble, Schwellenländerkrise – viele Anleger agierten zu sorglos, hielten zu lange an ihren Positionen fest – im Glauben, dass sich der Markt wieder erholen werde. Zugegeben: Auch wir wissen nicht, welcher Trigger die nächste grosse Aktienmarktkorrektur auslösen wird, noch wissen wir, wann dies sein wird. Aber nach fast 9.5 Jahren Aktienhausse ist eine Korrektur seit Jahren überfällig. Und nimmt man klassische Bewertungsparameter zur Hand, dann dürfte die nächste Krise drastisch ausfallen. Das Shiller P/E-Ratio für den S&P500 liegt aktuell bei über 32 Zählern. Nur einmal in seiner mehr als hundertjährigen Geschichte lag diese Masszahl höher – während der Dotcom-Blase. Im Schnitt lag das Shiller P/E Ratio bei gerade 16.5 Punkten. Wir wollen keine Panik verbreiten, aber wir wollen darauf hinweisen, dass Sie, liebe Anleger, bei Ihren Anlageentscheidungen die Risiken kennen sollten. Die Sorglosigkeit, mit welcher amerikanische Investoren agieren, lässt bei uns die Alarmglocken läuten. Es wird wohl auch dieses Mal für viele ein böses Erwachen geben.
Konklusion:
Unter US-Anlegern herrscht wieder ein sehr hohes Mass an Sorglosigkeit. Wir beobachten die Entwicklung mit einem unguten Gefühl.