
Handelskriege seien einfach zu gewinnen, twitterte US-Präsident Donald Trump im März dieses Jahres. Gesagt, getan. Seit vergangenem Freitag befinden sich die USA und China in einem Handelskrieg. Beide Länder führten Strafzölle auf Produkte des Handelspartners ein. Nun wird sich zeigen, ob Trumps Verständnis von wirtschaftlichen Zusammenhängen wirklich tragfähig ist. Denn es ist zu befürchten, dass der Handelskrieg die grösste Volkswirtschaft der Welt in eine Rezession führt und damit die zweitlängste Aufschwungphase in der Geschichte der US-Wirtschaft ein jähes Ende findet. Der Mechanismus, welcher ein solches Szenario auslösen könnte, liegt auf der Hand: Die Zölle lassen die Kosten der Unternehmen regelrecht explodieren. Es kommt zu Störungen in der Lieferkette und das Vertrauen der Unternehmen und Konsumenten fällt schlagartig. In der Folge legen die Unternehmen ihre Investitionen auf Eis, was sich mittelfristig negativ auf die Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt niederschlägt. Eine Rezession wie aus einem Bilderbuch. Fakt ist, dass der republikanische Präsident zumindest historisch vorbelastet ist. Denn seit dem Zweiten Weltkrieg konnte noch kein republikanischer US-Präsident dem Schicksal einer Rezession entrinnen. Trump könnte es jedoch besonders schmerzlich treffen. Denn im Gegensatz zu seinen Vorgängern hat er das fiskalische Pulver, um die Folgen einer Rezession zu dämpfen, bereits verschossen. Er befeuerte den ohnehin bestehenden wirtschaftlichen Boom mit Steuersenkungen und Co. Erstmals seit 70 Jahren steigt das Haushaltsdefizit, obwohl die Arbeitslosenquote abnimmt. Ihm könnten im schlechtesten Fall schlicht die Mittel fehlen, um eine Rezession mit fiskalischen Mitteln zu bekämpfen. Gemessen am amerikanischen Anleihenmarkt wird ein solches Szenario zwar als Bedrohung aber noch nicht als unmittelbar bevorstehend betrachtet. Gemäss Finanztheorie werfen langlaufende Zinspapiere eine höhere Rendite ab als Kurzläufer – schliesslich gehen die Anleger, die sich länger binden, auch höhere Risiken ein. Dies widerspiegelt sich in einer steigenden Zinsstrukturkurve. Steigen jedoch die Zinsen am kurzen Ende über die langfristigen Sätze, ist diese inverse Zinsstrukturkurve ein schlechtes Omen – sie ist ein Vorbote einer Rezession. Die USA haben seit 1955 neun Rezessionen erlebt, im Vorfeld war jedes Mal eine solche inverse Zinsstrukturkurve zu verzeichnen. Der Spread zwischen 2- und 10-Jährigen fiel jüngst auf 0.33 Prozentpunkte und damit den tiefsten Stand seit 2007. Noch kein Grund zur Panik, da eine solche Zinsentwicklung angesichts der geldpolitischen Straffung durch das Fed noch etwas Normales ist. Erst wenn der Renditespread zwischen 2- und 10-jährigen Anleihen auf null oder darunter fällt, besteht Anlass zur Sorge. Die zentrale Frage ist derzeit aber: Inwieweit sind die negativen Auswirkungen eines Handelskrieges bereits berücksichtigt? Unseres Erachtens könnten negative Überraschungen kommen.
Konklusion:
Noch signalisiert die US-Zinsstrukturkurve keine unmittelbare Gefahr einer Rezession. Anleger sollten sich jedoch nicht in Sicherheit wiegen. Es drohen böse Überraschungen.