
US-Präsident Donald Trump legt beim Handelsstreit mit der Volksrepublik China die Karten auf den Tisch und verhängte jüngst Schutzzölle auf verschiedene chinesische Waren in Höhe von USD 50 Milliarden. Seine Argumentation für die Einfuhr dieser Zölle ist seit Monaten die gleiche: Allein im Handel mit der Volksrepublik verzeichnen die USA ein Defizit in Höhe von USD 330 Milliarden. Auch der Rest der Welt – allen voran die EU – verhalten sich gegenüber den USA unfair. Das globale Handelsdefizit der USA beläuft sich auf USD 800 Milliarden. „Warum sollte ich als Präsident der Vereinigten Staaten Ländern erlauben, weiterhin massive Handelsüberschüsse zu machen, wie sie es seit Jahrzehnten tun, während unsere Bauern, Arbeiter und Steuerzahler einen so grossen und unfairen Preis zahlen müssen?“, twitterte der Präsident vor wenigen Tagen. Angesichts der Zahlen kann man – muss man aber nicht – ein gewisses Verständnis für die Handelspolitik der USA aufbringen. Die Analysten der Deutschen Bank stellen diese Argumentation in einer jüngst veröffentlichten Studie nun aber komplett in Frage. Dort heisst es: Es sei irreführend, nur das Handelsbilanzdefizit bei Waren und Dienstleistungen zu betrachten – das entspreche nicht der tatsächlichen Grösse der US-amerikanischen Geschäftsinteressen. Die Analysten bedienen sich bei ihren Berechnungen am sog. „aggregierten Umsatzüberschuss“, welches sowohl den direkten Handel als auch die Umsätze multinationaler Unternehmen misst. Ihr Ergebnis: Die USA erwirtschaften einen Überschuss von USD 20 Milliarden mit China und USD 1.4 Billionen mit dem Rest der Welt. Die Kombination von Handels- und Unternehmensdaten ist zwar unüblich. Aber es zeigt, dass US-Unternehmen in den letzten Jahren mehr in den Rest der Welt verkauft haben, als alle anderen Länder in die USA verkauft haben, so die Analysten. Chinesische Konsumenten kaufen mehr iPhones und mehr Autos von General Motors als US-Verbraucher. Nur zählen diese Verkäufe nicht als Exporte, da sie durch chinesische Tochtergesellschaften multinationaler Unternehmen abgewickelt werden. Das Bild eines Handelsdefizits der USA mit China widerspreche den Tatsachen, so die Analysten. Und der Trend ist dahingehend, dass der amerikanische aggregierte Umsatzüberschuss mit China weiter steigt. Bis zum Jahr 2020 könnte sich dieser – sofern ein Handelskrieg vermieden wird – auf gut USD 100 Milliarden verfünffachen. Der Anstieg spiegle die steigende Nachfrage chinesischer Haushalte nach ausländischen Waren und Dienstleistungen wider, die zum Teil auf den Vermögenseffekt des Immobilienbooms im Land zurückzuführen sei.
Konklusion:
Je nachdem, welche Daten berücksichtigt werden, wird aus einem milliardenschweren Handelsdefizit der USA plötzlich ein billionenschwerer Überschuss.