Ungeachtet aller widrigen Umstände haben Aktien aus dem Technologiesegment die seit Jahren laufende Rallye fortgesetzt. Die Papiere von Amazon, Apple oder Netflix notierten jüngst allesamt auf
Rekordniveau. Apple könnte zudem das erste Unternehmen sein, welches die Schallgrenze einer Marktkapitalisierung von USD 1 Billion durchbricht. Und die Anleger kaufen munter weiter zu.
Der S&P-Branchenindex für das Technologiesegment verbucht seit dem Jahreswechsel einen Zuwachs von stolzen 13%, der Nasdaq Comp. kommt auf ein Plus von über 11% und hat vor wenigen Tagen ein neues Rekordhoch erreicht. Zwar war auch die Kursentwicklung im Technologie-Segment seit dem Jahreswechsel keine Einbahnstrasse. Im Verlauf des ersten Quartals mehrten sich die Stimmen, die vor einer Überhitzung warnten, was sich in teilweise massiven Kursverlusten in Folge des Facebook-Datenskandals an der Börse ihren Niederschlag fand. Mittlerweile scheinen sich diese Befürchtungen jedoch in Luft aufgelöst zu haben – trotz der teilweise sehr hohen Bewertungen der einzelnen Aktien. Grundsätzlich unterscheidet sich die aktuelle Entwicklung jedoch fundamental von jener, die um die Jahrtausendwende zu beobachten war. „Anders als bei dem Technologie-Hype der 1990er Jahre kann der Erfolg der meisten Unternehmen heute auf ein starkes Fundament und wachsende Umsätze und Gewinne zurückgeführt werden – er basiert nicht auf Spekulationen auf die Zukunft“, wie es beispielsweise in einer Analyse von Goldman Sachs heisst. Die Anlagestrategen von JP Morgan empfehlen gar, Bankaktien aus dem Depot zu verbannen und auf Technologietitel zu setzen. Auch wir sehen im Technologie-Segment noch reichlich Luft nach oben. Anlegern, welche gerne in die Branche investieren möchten, denen aber die gegenwärtigen Aktienbewertungen jedoch bereits als zu hoch erscheinen, können wir nur raten am Ball zu bleiben. Denn es ist aus unserer Sicht nicht unwahrscheinlich, dass das Tech-Segment in den kommenden Wochen von einer kurzfristigen Schwächephase ergriffen werden könnte. Nicht weil die Geschäfte schlechter laufen. Sondern weil an den US-Börsen ein umfangreicherer Indexumbau (Neuindex: „Communication Services“) stattfinden wird. Technologietitel werden dann in einem breiteren Marktsegment mit Telekommunikations- und Medienpapieren vermischt, was vor allem ETF-Anbieter zu milliardenschweren Umschichtungen zwingen könnte. Nach Berechnungen eines amerikanischen Investmenthauses schlummern rund USD 78 Milliarden in börsennotierten Indexfonds (ETF) im Bereich Technologie, die bei einer Neusortierung der Indizes Titel wie Facebook und der Google-Mutter Alphabet loswerden müssen. Dies könnte attraktive Einstiegslevels generieren – allerdings nur sehr kurzfristig. Denn im Umkehrschluss müssten Telekom-ETFs sich mit den Titeln eindecken.
Konklusion:
Der Indexumbau an der US-Börse könnte im Tech-Segment attraktive Einstiegslevels generieren. Investierte Tech-Aktionäre halten auch bei einer kurzfristigen Schwäche an ihren Investments fest.