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Fundamentale Analyse - USA

Wir hatten bereits Mitte vergangenen Jahres (Ausgabe 20/2017) vor einer bevorstehenden Klagewelle gegen amerikanische Pharmamultis gewarnt. Der Bundesstaat Ohio hat gegen fünf Pharmamultis – Johnson&Johnson, Allergan, Teva Pharmaceutical Industries, Purdue Pharma und Endo International- Klage eingereicht. Die Anwaltschaft wirft den Konzernen vor, die Gefahr der Abhängigkeit ihrer Medikamente heruntergespielt zu haben. Sie seien deshalb mitverantwortlich für die steigende Zahl an Opiat-Abhängigen in den USA. Zwischen 2002 bis 2015 hat sich die Zahl der Menschen, die an einer Überdosis von Opiaten – verschreibungspflichtiger Schmerzmittel, Heroin und illegaler synthetischer Opiate – gestorben sind, auf 34‘000 Opfer fast verdreifacht. Noch dramatischer stellt sich die Lage in Ohio dar: Fast vierzig von 100‘000 Einwohnern sterben dort an einer Drogenüberdosis. Ab März 2019 sollen erste Präzedenzfälle vor Gericht kommen – in Ohio. Angesichts der bedrohlichen Lage, in welche sich der Bundesstaat befindet, ist der Verhandlungsort nicht gerade ein Vorteil für die Multis. Die Schlüsselrolle übernimmt eine Sammelklage, der sich gut 400 Einzelklagen und das US-Justizministerium angeschlossen haben. Letzteres, um zu gewährleisten, dass Gerechtigkeit widerfahren werde. Es ist eine Drohkulisse, welche die Pharmamultis, Grossisten und Apothekenkonzerne zunehmend nervös machen dürfte. Aber auch Kliniken und Ärzte, die Medikamente wie OxyContin in den vergangenen Jahren nur allzu lax verschrieben, sind ins Visier der Kläger geraten. Die US-Regierung schätzt, dass durch den wachsenden Drogensumpf jährlich Kosten in Höhe von USD 500 Milliarden entstehen. Die Klagen sind ähnlich konzipiert wie jene, welche die Tabakindustrie 1998 Jahre in die Knie zwang. Die mächtige Branche einigte sich damals auf einen Vergleich in Höhe von USD 250 Milliarden. Nicht wenige Beobachter schätzen, dass die Pharmaindustrie sogar noch stärker bluten könnte. Vor allem die Administration Trump dürfte an einem scharfen Umgang mit der Pharmaindustrie interessiert sein. Präsident Donald Trump hatte bereits im Wahlkampf gegen die hohen Medikamentenpreise gewettert und gedroht, die Pharmaindustrie an die Kette zu legen. Es würde uns entsprechend überraschen, wenn die Pharmaindustrie gänzlich ohne Strafe davonkommt. Allerdings erscheint es uns gegenwärtig eher unwahrscheinlich, dass die Pharmaindustrie einen ähnlich hohen Vergleich wie jenem der Tabakindustrie zustimmt. Einerseits können sie einen Teil der Schuld auf Grossisten und Kliniken abladen. Andererseits dürfte die schädigende Wirkung der betreffenden Medikamente schwerer nachzuweisen sein, da es a) viele Patienten gibt, denen die Präparate helfen – ohne Nebenwirkungen und b) die FDA die Medikamente zugelassen hat. Ein Schuldspruch wäre damit gleichbedeutend mit dem Versagen der FDA. Und drittens hat selbst Trump kein Interesse daran, die heimische Industrie übermässig zu schädigen.
Konklusion:
Anleger sollten die Sammelklagen gegen die Pharmamultis ernst nehmen. Es drohen milliardenschwere Strafen. An der Börse könnten die Klagen für Unruhe sorgen.