Der amerikanische Mediensektor ist seit geraumer Zeit im Umbruch. Streamingdienste wie Netflix oder DAZN haben das Fernsehverhalten der Menschen in der Breite verändert – feste Programmstrukturen verlieren für Konsumenten zunehmend an Bedeutung. Schau was du willst und wann du willst, heisst die Devise. Und die Konsumenten sind bereit, dafür zu bezahlen. Im Gegenzug verlieren klassische Pay-TV-Sender immer mehr Zuschauer. Auch die klassischen Zeitungsverlage kämpfen gegen den seit mehr als einem Jahrzehnt anhaltenden Bedeutungsverlust. Leser und Werbetreibende wandern seit Jahren ins Internet ab – eine Entwicklung, auf welche die Zeitungen bisher vergleichsweise erfolglos gegenzusteuern versuchten. Zwar können Zeitungen gewisse Erfolge bei den Abonnentenzahlen im Onlinebereich verkünden. Doch vom alten Glanz ist man weit entfernt. Vor allem die Werbeeinnahmen sind nach wie vor schwächlich. Die Konzerne werben lieber auf Facebook, Twitter und Co. Die Reichweite der Werbung ist auf diesen Diensten ungleich höher als auf Newsseiten im Internet. Die Regulierungsbehörde Federal Communications Commission (FCC) dürfte den laufenden Umbrüchen mit ihren jüngsten Entscheidungen nun zusätzlichen Schwung verleihen. Die Behörde kippte eine 42 Jahre alte Regelung, wonach ein Konzern nicht gleichzeitig eine Zeitung und einen TV-Sender besitzen darf. Zudem wird neu gestattet, dass ein Unternehmen mehrere Fernsehsender in ein- und demselben Markt betreiben darf. Angesichts der fundamentalen Umbrüche, welche sich derzeit innerhalb der US-Medienbranche in den USA vollziehen, sei es «völliger Unfug», dass die Regelung so lange bestanden habe, sagte FCC-Chef Ajit Pai. Mit der Entscheidung dürfte vor allem ein Hindernis bei bisherigen Übernahme- und/oder Fusionsbemühungen im Medienbereich beseitigt werden: der von der Regulierungsbehörde vorgegebene Verkauf von Unternehmensteilen. Mit der FCC-Entscheidung dürften gleich mehrere im Raum stehende Deals in der US-Medienbranche neuen Rückenwind bekommen. So beabsichtigt der Fernsehsender Sinclair, den Wettbewerber Tribune Media in einem milliardenschweren Deal zu kaufen. Die Regulierungsbehörde dürfte dem Deal nun wesentlich freundlicher gegenüberstehen und nicht mehr darauf beharren, dass Unternehmensteile verkauft werden müssen. Auch bei Twenty-First Century Fox, einem Teil des Medienimperiums von Rupert Murdoch, dürfte die Entscheidung der FCC für Freude sorgen. Denn das Medienunternehmen steht gleich bei zwei möglichen Interessenten auf dem Kaufzettel. Walt Disney hatte bereits vor Wochen bekundet, den Konzern oder zumindest grosse Teile des Medienkonzerns kaufen zu wollen. Neu sollen auch der Kabelbetreiber und Medienkonzern Comcast und der Mobilfunker Verizon Communications Interesse am Film- und Fernsehsender von Murdoch angemeldet haben.
Konklusion:
Die Entscheidung der FCC dürfte den M&A-Trend in der amerikanischen Medienbranche deutlich beschleunigen. Spekulativen Investoren eröffnet das zahlreiche hochinteressante Opportunitäten.