Berichtssaison hinterlässt ein zwiespältiges Gefühl
Nachdem in den USA die Q2-Berichtssaison Fahrt aufgenommen hat – allein in der zurückliegenden Woche haben fast 90 Unternehmen aus dem S&P500 ihre Quartalszahlen vorgelegt – kommt nun auch die Berichterstattung in der Schweiz langsam auf Touren. Die ersten Quartals- bzw. Halbjahresergebnisse sowie publizierte Vorab-Berichte hinterlassen ein zwiespältiges Gefühl. Enttäuschend war die gesalzene Gewinnwarnung des Uhrenherstellers Swatch. Auch das Quartalsergebnis des Warenprüfkonzerns SGS konnte nicht vollends überzeugen. Positiv stach hingegen Ems Chemie hervor. Die von Magdalena Martullo-Blocher geführte Gruppe erhöhte aufgrund eines sehr gut verlaufenen ersten Halbjahres die Gewinnprognose für das Gesamtjahr und stellte eine Dividendenerhöhung in Aussicht. Der Dienstleister DKSH konnte beim Umsatz die Analystenprognosen übertreffen, jedoch blieb der Gewinn hinter den Erwartungen zurück. Das Schraubenhandels- und Logistikunternehmen Bossard verfehlte mit den vorläufigen Umsatzzahlen zwar die Erwartungen leicht, könnte auf Gewinnstufe aber die Vorgaben soweit erfüllen. Ein Ausrufezeichen hat auch der Finanzdienstleister Partners Group ausgesendet. Die Neugeldzusagen lagen gemäss eines Zwischenberichts deutlich höher als auf dem Börsenparkett erwartet worden war. Wir gehen davon aus, dass sich die weitere Berichtssaison ähnlich durchwachsen präsentieren wird, wobei wir das Potenzial positiver Überraschungen als durchaus hoch einschätzen. Einerseits dürften zahlreichen Unternehmen, die stark in der Eurozone aktiv sind, von positiven Wechselkurseffekten profitieren. Bei Unternehmen mit einem grossen Exposure in den Schwellenländern, wie beispielsweise der Nahrungsmittelkonzern Nestlé, dürfte es hingegen bei negativen Währungseffekten bleiben – denn der Franken hat im Vergleich zu diesen in den vergangenen Monaten weiter aufgewertet. Andererseits umfasst die aktuelle Berichtssaison zwei Arbeitstage mehr als in der Vorjahresperiode – auch dies dürfte sich positiv in den Zahlen widerspiegeln. Mit Blick auf die Unternehmensprognosen rechnen wir mit eher vagen Angaben. Zwar dürften die Firmen durchaus eine geschäftliche Belebung in Aussicht stellen. Grosse Sprünge dürften die Unternehmen aufgrund des Brexit, den noch nicht aus der Welt geschaffenen Fragezeichen um China und der politischen Stagnation in der EU kaum wagen. Entsprechend dürften zyklische, konjunktursensitive Unternehmen in der Gunst der Anleger nicht ganz oben auf der Kaufagenda stehen. Vor allem defensive Werte mit einer vergleichsweise hohen Visibilität wie etwa bei Nestlé dürften zu Beginn der zweiten Jahreshälfte stark gefragt sein. Auch dividendenstarke Titel dürften in der Gunst weit oben rangieren.
Konklusion:
Die Schere zwischen Gewinnentwicklung und Aktienbewertung dürfte bei defensiven Titeln auseinandergehen. Klassische Bewertungsparameter verlieren auch aufgrund des Anlagenotstands an Bedeutung.