
Die Schweizerische Nationalbank zeichnet in ihrer jüngsten geldpolitischen Lagebeurteilung ein positives Bild der Konjunkturentwicklung. In der Schweiz herrscht Hochkonjunktur. Im zweiten Quartal 2018 wuchs das BIP mit aufs Jahr hochgerechnet 2.9% und damit einmal mehr als das geschätzte Produktionspotenzial. Die SNB erwartet auf Grundlage vorlaufender Indikatoren, dass die Schweizer Wirtschaft im Gesamtjahr 2018 um 2.5% bis 3.0% wachsen werde und sich die ohnehin bereits tiefe Arbeitslosigkeit weiter zurückbilde. Trotz der zunehmenden geopolitischen Spannungen hat sich die Weltwirtschaft im zweiten Quartal weiter solide entwickelt. Zwar hat der globale Handel etwas an Schwung verloren. Insgesamt bleibt die Konjunkturentwicklung robust. „Gestützt durch die in den Industrieländern nach wie vor expansive Geldpolitik und die verbesserte Lage auf den Arbeitsmärkten dürfte die Weltwirtschaft weiterwachsen. Nach dem starken Wachstum der Vorquartale ist aber eine gewisse Verlangsamung zu erwarten“, heisst es bei der SNB. Trotz der bestehenden Abwärtsrisiken (u.a. Handelsstreit, Schwellenländerkrise) blickt die SNB damit optimistisch in die nähere Zukunft. An der Inflationsfront droht der Schweiz nach Ansicht der SNB weiter kein Ungemach. Zwar dürfte sich die Teuerung bis Anfang 2019 etwas schneller entwickeln als in der Juni-Prognose noch in Aussicht gestellt. Die SNB führt dies auf eine leichte Zunahme der inländischen Teuerung zurück. Ab dem zweiten Quartal 2019 verläuft die neue bedingte Prognose wegen des stärkeren Frankens dann wieder unterhalb der Prognose vom Juni. Für das laufende Jahr rechnet die SNB weiter mit einer Inflation von 0.9%. Für das kommende Jahr wurde die bedingte Inflationsprognose um 0.1 Prozentpunkte auf 0.8% gesenkt. Für 2020 erwartet die SNB nur noch eine Teuerung von 1.2% anstelle der im Juni ausgegebenen Inflationsprognose von 1.6%. Wenig überraschend hat die SNB den Zins auf Sichteinlagen bei −0.75% belassen. Das Zielband für den Dreimonats-Libor liegt nach wie vor zwischen −1.25% und −0.25%. Mit Blick auf den Franken bleibt die SNB in Habachtstellung. Seit der geldpolitischen Lagebeurteilung im Juni hat sich der Franken spürbar aufgewertet. „Der Negativzins sowie die Bereitschaft der Nationalbank, bei Bedarf am Devisenmarkt zu intervenieren, bleiben notwendig, um die Attraktivität von Anlagen in Franken tief zu halten und damit den Druck auf den Franken zu verringern“, so die SNB. Insgesamt zeigt sich die Schweizer Wirtschaft in einer beeindruckend guten Verfassung, was jedoch die Frage nach der Notwendigkeit der ultralockeren Geldpolitik aufwerfen könnte. Dies wäre aus unserer Sicht jedoch nur eine Scheindiskussion. Aufgrund der fragilen Lage an den Devisenmärkten bleiben der SNB bzgl. der Geldpolitik die Hände gebunden. Erst wenn sich die EZB endgültig von ihrer lockeren Geldpolitik verabschiedet, wird die SNB mit zeitlicher Verzögerung nachziehen.
Konklusion:
An der Börse wird das sehr stabile Schweizer Konjunkturumfeld derzeit nicht angemessen berücksichtigt. Der Boden für deutlich höhere Aktienkurse wäre gegeben.