Der sich abzeichnende chaotische Brexit, die Wahlen in Italien, die geopolitischen Unsicherheiten im Nahen und Mittleren Osten, die US-Sanktionspolitik, die Handelsstreitereien zwischen den USA und China/Europa und die Wachstumsdelle in der Eurozone – es gibt genügend Gründe, um auch für die Schweizer Wirtschaft zunehmend pessimistisch in die Zukunft zu schauen. Doch bisher haben die Faktoren die hiesige Wirtschaftsentwicklung nur am Rande gestreift. Das reale Bruttoinlandsprodukt ist im zweiten Quartal erneut überdurchschnittlich stark gewachsen. Gemäss Angaben des Staatsekretariat für Wirtschaft (Seco) legte das BIP um 0.7% zu, womit die Schweiz erneut deutlich schneller gewachsen ist als die Eurozone. Allerdings hat die Wachstumsdynamik auch in der Schweiz im zweiten Jahresviertel einen leichten Dämpfer erhalten. Denn für das erste Quartal hat das Seco die Wachstumsrate auf 1.0% von bisher 0.6% nach oben revidiert. Nach zwei schwachen Quartalen konnten vor allem die Warenexporte wieder deutlich zulegen (+2.6%), was 1. darauf hinweist, dass die Auswirkungen der internationalen Handelsdispute kaum spürbar waren und 2. der zu Beginn des Jahres deutlich schwächere Franken den Unternehmen in die Hände gespielt hat. Enttäuschend war die Entwicklung des privaten Konsums – einer zentralen Stütze der Schweizer Volkswirtschaft. Dieser wuchs im zweiten Quartal nur um 0.3% und eine deutliche Beschleunigung scheint derzeit eher unwahrscheinlich. Denn die Konsumentenstimmung der Schweiz ist zuletzt auf den langjährigen Durchschnitt zurückgefallen. Zwar rechnen die Verbraucher weiter mit einem positiven Konjunkturverlauf, sie sind aber weniger optimistisch als in den letzten Quartalen. Vor allem bleiben die Erwartungen an das eigene Budget gedämpft, womit grössere Anschaffungen eher zeitlich nach hinten verschoben werden dürften. Die insgesamt ansprechenden Zahlen sollten aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass auch die Schweizer Unternehmen mehr zu kämpfen haben, als auch schon. Dies zeigt ein Blick auf das KMU-Barometer der UBS. Das Barometer der Grossunternehmen sank im August im Vergleich zum Juli leicht von 0.58 auf 0.56 Punkte, dasjenige der kleinen und mittelgrossen Unternehmen von 1.18 auf 1.13 Punkte. Beide Barometer lagen damit aber immer noch über dem langjährigen Durchschnitt. Die KMU beklagen aktuell einen Rückgang der ausländischen Auftragsbestände, der Produktion und der Bestellungseingänge. Insgesamt schnitten die KMU in der Industrie besser ab als die Grossunternehmen. Während sich das Barometer der Grossunternehmen seit März (höchster Wert des Barometers seit 2011) um 0.8 Punkte verschlechterte, lag dasjenige der KMU nur 0.1 Punkte unter dem März-Wert und insgesamt höher als dasjenige der Grossunternehmen.
Konklusion:
Auch wenn die Schweizer Wirtschaft den Wachstumszenit überschritten haben dürfte, bleibt die konjunkturelle Gesamtlage robust. An der Börse wird dies derzeit nicht berücksichtigt.