+11.66%
YTD 2026
+15.08%
Jahr 2025
+23.37%
Jahr 2024
+12.28%
Jahr 2023
-6.63%
Jahr 2022

Fundamentale Analyse - Schweiz

USA dürften die Schweiz als Währungsmanipulator einstufen
Wir hatten in Ausgabe 38/2020 auf die massiven Interventionen der Schweizerischen Nationalbank am Devisenmarkt hingewiesen. Allein im ersten Halbjahr 2020 intervenierte die SNB mit CHF 90 Milliarden am Währungsmarkt – mit einem einzigen Ziel: Um eine massive Überbewertung des Schweizer Franken zu verhindern. Dies war der höchste Wert seit dem Jahr 2015, als die SNB die EUR/CHF-Untergrenze bei CHF 1.20 aufgehoben hatte. Damals betrugen die Deviseninterventionen im Gesamtjahr gerade einmal CHF 86.1 Milliarden. Zur Einordnung: Die Deviseninterventionen der SNB sind weit mehr als die Limite von 2% des Bruttoinlandsprodukts (BIP), ab der die USA ein anderes Land als „Währungsmanipulator“ brandmarken wollen. Darüber hinaus erfüllt die Schweiz mit einem bilateralen Einfuhrüberschuss von mehr als USD 20 Milliarden und einem Leistungsbilanzüberschuss von mehr als 2% auch die beiden anderen US-Kriterien. Die Gefahr, dass die Schweiz auf die amerikanische Schwarze Liste der Währungsmanipulatoren landet, ist entsprechend gross. Die Schweiz steht seit Monaten unter Beobachtung der US-Regierung, da in den Augen der Amerikaner die Schweiz versucht, die eigene Währung künstlich tief zu halten. Gemäss amerikanischen Medienberichten steht das US-Finanzministerium vor der Vollendung einer neuen Schwarzen Liste – und die Schweiz soll explizit genannt werden. Wirkliche Konsequenzen wie Wirtschaftssanktionen oder Zollschranken muss die Schweiz jedoch nicht fürchten – es wäre eher ein symbolischer Akt, welcher für die Schweiz nur unangenehm sein dürfte. Zumal unter dem neuen Präsidenten Joe Biden das Thema „Währungsmanipulation“ weniger Gewicht erhalten dürfte. Mit Ausnahme der Administration Trump hatten die Finanzpolitiker parteiübergreifend Devisenmarktinterventionen von kleinen, offenen Ländern, wie eben der Schweiz, als legitimes Mittel der Geldpolitik durchgehen lassen. Auch SNB-Präsident Thomas Jordan will sich dem politischen Druck der USA nicht beugen. Er beteuert gebetsmühlenartig, dass die SNB bei Bedarf am Devisenmarkt weiter intervenieren werde – woran auch eine Einstufung als Währungsmanipulator nichts ändere. Ohnehin könnte sich der seit Monaten starke Aufwertungsdruck des Schweizer Franken in den kommenden Monaten deutlich abschwächen. Die Aussicht auf einen Impfstoff und die schrittweise Rückkehr zu einem „normalen“ Leben dürften den Drang der Investoren nach einem sicheren Hafen deutlich abschwächen. Problematisch könnte es hingegen werden, wenn die EZB selbst am Devisenmarkt interveniert, um den erstarkenden Euro zu drücken. Dies würde auch die SNB wieder unter Zugzwang setzen.

Konklusion:
Wir gehen davon aus, dass sich der Aufwertungsdruck auf den CHF in den kommenden Monaten deutlich zurückbildet. Das Ende der Pandemie macht den sicheren Hafen CHF unattraktiver.