
Wir hatten in den zurückliegenden Ausgaben des „the investor“ mehrfach darauf hingewiesen, dass die Schweizer Wirtschaft den Wachstumshöhepunkt voraussichtlich überschritten habe. Die jüngst vorgelegten Daten für das BIP-Wachstum im dritten Quartal haben uns dennoch negativ überrascht. Gemäss Angaben des Staatssekretariats für Wirtschaft (Seco) schrumpfte das Schweizer Bruttoinlandsprodukt um 0.2% im Vergleich zum Vorquartal. Gegenüber dem entsprechenden Vorjahresquartal wuchs die Schweizer Wirtschaft jedoch noch immer mit 2.4%. Für das zweite Quartal 2018 konnte das Seco noch ein Plus von 0.7% im Vergleich zum Vorquartal bzw. 3.5% im Vergleich zur Vorjahresperiode vermelden. Damit folgt die Schweizer Wirtschaft der Abkühlung in der Eurozone im Allgemeinen und der deutschen Wirtschaft im Speziellen, die im dritten Quartal 2018 ebenfalls ein negatives Wachstum auswies. Die gut eineinhalb Jahre währende starke Expansionsphase der Schweizer Wirtschaft ist damit abrupt gestoppt worden. Die Entwicklung überrascht auch die Ökonomen aus der Bankenbranche, die für das dritte Quartal 2018 ein leichtes BIP-Wachstum von 0.2% bis 0.6% in Aussicht gestellt hatten. Dass der Aussenhandel im dritten Quartal keine positiven Wachstumsimpulse aussendete, überrascht nicht. Bereits die Exportdaten für die Schweizer Wirtschaft hatten angedeutet, dass die ausländische Nachfrage – vor allem aus der Eurozone im Speziellen aus Deutschland, aber auch aus Asien – schwach war und die Konjunktur gedämpft haben dürfte. Überraschend ist aus unserer Sicht aber vor allem, dass auch die Binnenwirtschaft keine Wachstumsimpulse aussenden konnte. Der private Konsum, ein beständiger Wachstumspfeiler in den zurückliegenden gut 18 Monaten, stagnierte: Die Konsumausgaben im dritten Quartal stiegen lediglich noch um 0.1%, was Ökonomen vor allem auf die schwache Reallohnentwicklung zurückführen. Auch die Investitionen entwickelten sich schwach. Die Konsumausgaben seitens des Staates gingen sogar um 0.1% zurück. Rückläufig waren auch die Ausrüstungsinvestitionen, die um gut 2% nachgaben. Trotz des überraschenden BIP-Rückgangs erwarten wir nicht, dass die Schweizer Wirtschaft in eine technische Rezession (zwei aufeinanderfolgende Quartale mit einem negativen BIP-Wachstum) abgleitet. Die Exportzahlen für den Monat Oktober zeigen eine gewisse Belebung des Aussenhandels. Zudem scheinen die Konsumenten, trotz einer eher schwachen Reallohnentwicklung, sich die Lust auf Weihnachten und damit Geschenke nicht nehmen lassen zu wollen. Zumindest haben wir aus dem Detailhandel bisher positive Feedbacks über das anlaufende Weihnachtsgeschäft erhalten. Zudem scheint sich auch in der Eurozone und vor allem in Deutschland die Konjunktur zu stabilisieren, wenn auch auf deutlich tieferem Niveau als in den vergangenen 12 Monaten.
Konklusion:
Dass sich die Schweizer Konjunktur im dritten Quartal abgekühlt hat, ist nicht überraschend. Wir erwarten aus heutiger Sicht jedoch nicht, dass die Schweiz in eine Rezession abrutscht.