
Anleger mit einem Faible für Rohstoffe sollten das gegenwärtige Umfeld nutzen und ihre Positionen in den verschiedenen Commodities deutlich ausbauen. Denn die mittel- bis langfristigen Aussichten für Öl und Industriemetalle erscheinen uns zunehmend attraktiv. Einerseits schieben die Regierungen in Europa, Nordamerika und Asien riesige Investitionsprogramme an, welche helfen sollen, die konjunkturellen Schäden der Pandemie zu überwinden. Gerne wird in diesem Zusammenhang auch von einem Wiederaufbau der Wirtschaft geredet. Darüber hinaus nimmt die Industrieproduktion weltweit wieder Fahrt auf. Dies sollte dazu führen, dass die Nachfrage nach Öl, Kupfer und anderen Industriemetallen in den kommenden Quartalen deutlich steigt. Die Entwicklung in China kann diesbezüglich als Blaupause für den Rest der Industriewelt angeführt werden. Die chinesischen Rohstoffimporte liegen mittlerweile wieder auf dem Vorkrisenniveau. Ein besonderes Augenmerk gilt dem Ölmarkt. Im Jahr 2020 erlebte die gesamte Industrie die grösste Krise seit 100 Jahren – es sei an dieser Stelle an die negativen Ölpreise erinnert, die auf dem Höhepunkt des letztjährigen Crash für grosse Verunsicherung sorgte. Branchenweit wurden Förderprojekte eingestampft, Kapazitäten zurückgefahren und Tausende Mitarbeiter entlassen. Auch auf Seiten der Investoren liess das Interesse deutlich nach. Eine Entwicklung, die sich im Verlauf der Krise fast auf den gesamten Rohstoffsektor ausweitete. Kurzum: Während die Nachfrage nach Rohstoffen rapide steigt, kann die Angebotsseite die Kapazitäten nur schrittweise erhöhen. Die Folge sind steigende Rohstoffpreise. Vor allem beim Stahlpreis macht sich dies seit Monaten deutlich bemerkbar: Kostete eine Tonne Warmband-Stahl in den USA am letztjährigen Tiefpunkt weniger als USD 500, ist der Preis zuletzt auf USD 1‘160 je Tonne gestiegen. Zugleich berichten Vertreter aus der Stahlbranche in Europa, dass es bereits Probleme bei der Stahlbeschaffung gebe. Kurzfristige Aufträge sind im Moment aufgrund der hohen Nachfrage und des geringen Angebots nicht möglich. Teilweise vergehen 22 Wochen vom Auftragseingang bis zur Auslieferung. In normalen Zeiten beträgt diese Zeitspanne acht bis zehn Wochen! Zugleich sind Rohstoffinvestments nicht allein wegen der erwarteten Preissteigerungen attraktiv. Auch als Inflationsschutz könnten Öl, Gold und Industriemetalle ihren Reiz entfalten. Einerseits dürften die Rohstoffpreissteigerungen über die Zeitachse auch bei den Konsumenten ankommen, was die Teuerung erhöhen dürfte. Andererseits – und dies unterscheidet die gegenwärtigen Massnahmen der Regierung und Notenbanken von den Massnahmen infolge der Finanzkrise – scheint die Trennung von Geld- und Fiskalpolitik aufgehoben. Die US-Regierung etwa reicht Schecks an die Bevölkerung aus, die direkt in den Konsum fliessen. Auch dies dürfte die Inflation auf mittel- bis langfristige Sicht befeuern, während nur Negativzinsen und Anleihekaufprogramme bis dato kaum Einfluss auf die Realwirtschaft bzw. die Teuerung hatten.
Konklusion:
Uns erscheinen Rohstoffinvestments angesichts der Gesamtentwicklung sehr interessant. Commodity-affine Anleger sollten ihr Exposure ausbauen.