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Jahr 2022

Fundamentale Analyse - Norwegischer Staatsfonds

Als der norwegische Staatsfonds im November vergangenen Jahres ankündigte, sich nach und nach von seinen Investments in Öl- und Gasaktien verabschieden zu wollen, war der Applaus gross. Auch wenn der Fonds nachdrücklich bekräftigte, dass diese Neuausrichtung nicht aus Nachhaltigkeitsüberlegungen, sondern allein aus finanziellen Überlegungen in Betracht gezogen werde, war es für viele Anleger ein Hinweis darauf, dass die Öl- und Gasmultis auch an der Börse den Zenit überschritten hätten. Die Realität ist für Anleger jedoch eine andere. Denn das Engagement in die umstrittene Branche brachte dem Fonds im zweiten Quartal dieses Jahres eine Rendite von 13% und damit die höchste Performance aller Investitionen des Fonds. Kein Wunder also, dass man auf Seiten des Fonds nun darüber nachdenkt, doch alles so zu lassen wie es ist. Der Staatsfonds verwaltet gut EUR 1‘000 Milliarden, wovon Öl- und Gasaktien gerade 6.2% ausmachen. Der Fonds hält u.a. etwas mehr als 2% an BP, gut 2% an Exxon und Chevron und ist im grösseren Umfang auch in Petrobras, Total und Repsol investiert. Eine von der norwegischen Regierung eingesetzte Kommission hat jetzt empfohlen, dass der Fonds den Ausstieg aus der Öl- und Gasbranche nicht vollziehen solle. Das Anlagekonzept sei „einfach und gut begründet” und habe in der Vergangenheit hohe Renditen generiert. Sollte der Fonds künftig auf Investments in Energieunternehmen verzichten, würde dies wahrscheinlich „zu niedrigeren Renditen und einem höheren Risiko führen”, heisst es von Seiten der dreiköpfigen Kommission. Die Entscheidung, in welche Richtung sich der Staatsfonds punkto Investments künftig bewegen wird, ist offen. Auf politischer Ebene haben sich bis heute die Politiker Norwegens noch nicht klar positioniert. Auch wann die Mitte-Rechts-Regierung eine Entscheidung über das künftige Engagement des Staatsfonds in Öl- und Gasunternehmen treffen wird, ist derzeit offen. Die Börsen dürften der nahenden Entscheidung mit Spannung entgegenfiebern. Denn der Fonds gilt als einer der grössten Investoren der Welt. 1996 aus den Öleinnahmen Norwegens gegründet, hält der Fonds mittlerweile Anteile an 9‘000 Unternehmen aus 80 Ländern. Dem Vernehmen nach hält er 1.4% sämtlicher auf der Welt ausgegebenen Aktien und 2.5% der europäischen. Entsprechend gross ist die Signalwirkung, die der Fonds mit seinen Investmententscheidungen auslöst.
Konklusion:
Der norwegische Staatsfonds kündigte 2017 an, sein Engagement in die Öl- und Gasbranche zu reduzieren. Die Renditeentwicklung dieser Investments macht dies aber schwierig. Die Entscheidung naht.