
Es zeichnet sich ab, dass sich Nestlé beim Verkauf der Sparte „Skin Health“ auf der Zielgeraden befindet. Wie der Konzern jüngst mitteilte, befinde man sich in exklusiven Verkaufsverhandlungen mit einem Konsortium aus der Private-Equity-Gesellschaft EQT und einer Tochter von Adia (Abu Dhabi Investment Authority). Zwar wurden bis anhin keine Angaben zu einem möglichen Verkaufspreis gemacht. In der Branche wird jedoch gemunkelt, dass Nestlé mehr als CHF 10 Milliarden für das Hautpflegegeschäft einstreichen wird. Zur Einordnung: Nestlé Skin Health generierte 2018 einen Umsatz in Höhe von CHF 2.8 Milliarden. Damit dürfte sich der Verkaufspreis entgegen den ursprünglichen Schätzungen aufgrund des hohen Käuferinteresses in den vergangenen Monaten deutlich erhöht haben. Anfänglich wurde mit einem Verkaufspreis von CHF 4.5 Milliarden bis CHF 5 Milliarden gerechnet, dann mit bis zu CHF 7 Milliarden und nun also mit mehr als CHF 10 Milliarden. Die Trennung der Hautpflegesparte hatte sich spätestens seit dem Amtsantritt von CEO Mark Schneider im Januar 2017 angebahnt. An einer Investorenkonferenz rüffelte der damals neue CEO die Sparte. Nestlé Skin Health habe das Wachstum sowie die Profitabilität auf Konzernebene deutlich belastet. Bereits damals waren sich zahlreiche Beobachter einig, dass CEO Schneider die Sparte zum Abschuss freigegeben hatte. Nestlé Skin Health passte nicht mehr zur Strategie von Schneider, der Nestlé wieder auf wachstumsstarke Sparten innerhalb des Kerngeschäfts fokussieren wollte. Ästhetische Dermatologie, verschreibungspflichtige Medikamente und frei erhältliche Hautpflegeprodukte passten nicht mehr ins Portfolio. Im Fokus von Schneider stehen wachstumsstarke Segmente wie Wasser, Kaffee, Säuglingsnahrung und Tierprodukte. Der Deal mit dem Konsortium an Private-Equity-Partnern dürfte u.E. zeitnah in trockene Tücher gewickelt werden. Denn CEO Schneider will bis Ende des Jahres noch bei einer weiteren Baustelle im Konzern Klarheit schaffen – die strategische Überprüfung des Aufschnitt- und Fleischwarengeschäfts der Marke Herta soll noch dieses Jahr abgeschlossen werden. Derzeit deutet sich an, dass Nestlé sich vom klassischen Wurst- und Aufschnittgeschäft trennen will – es passt schlicht nicht mehr zur Ausrichtung von Nestlé auf Gesundheit und Wohlbefinden. Allein das junge Geschäft mit vegetarischer Wurst und Teigprodukten derselben Marke will der Ex-Fresenius-Chef wohl im Nestlé-Konzern behalten. CEO Schneider rast mit seinem Konzernumbau von Erfolg zu Erfolg. Das Ziel, bis 2020 wieder „im mittleren einstelligen Prozentbereich“ zu wachsen, sollte erreicht werden. Bereits im ersten Quartal 2019 belief sich das organische Umsatzwachstum auf 3.4%.
Konklusion:
Investierte Anleger bleiben der Nestlé-Aktie treu. Allerdings nimmt der Titel nach der starken Kurs-Performance in diesem Jahr einiges vorweg, was das Aufwärtspotenzial nun beschränkt.