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Jahr 2022

Fundamentale Analyse - Kanadische Pot-Stocks

An der „Canadian Cannabis Conference“, die vor wenigen Tagen in Frankfurt/Main stattfand, gewährten Cannabis-Anbieter wie Aphria oder Canopy Einblicke in ihre Expansionsstrategien. Neben Kanada und den USA steht bei den meisten Unternehmen im zunehmenden Masse auch Europa im Fokus. Denn nachdem Kanada den Konsum des Rauschmittels jüngst komplett freigegeben hat und in den USA die Legalisierung ebenfalls weit fortgeschritten ist, erwarten die kanadischen Cannabis-Anbieter, dass sich in den kommenden Jahren auch der europäische Markt zunehmend öffnen wird. Im Unterschied zum kanadischen Heimatmarkt, wo die Unternehmen vor allem über den mittlerweile freigegebenen Freizeitkonsum von Cannabis wachsen wollen, konzentrieren sich die Firmen in Europa auf den medizinisch-therapeutischen Einsatz des Rauschmittels. Denn nach und nach fallen die gesetzlichen Verbote für den Einsatz von Cannabis für medizinische Zwecke. In Deutschland wurde der therapeutische Cannabis-Einsatz bereits vor einigen Monaten legalisiert. Mittlerweile haben Dänemark, Italien und Litauen nachgezogen und den Einsatz von medizinischem Cannabis erlaubt. Vor gut einer Woche gab zuletzt auch Grossbritannien grünes Licht. In Finnland darf es im Ausnahmefall verschrieben werden, in der Schweiz wird das Thema seit langem diskutiert. Der europäische Markt öffne sich in einem extrem schnellen Tempo, heisst es von Seiten der kanadischen Unternehmen unisono; und Deutschland könne den kanadischen Heimatmarkt bald an Grösse und Wichtigkeit überholen. Die Zahl der Cannabis-Patienten wird allein für Deutschland auf gut eine Million geschätzt, europaweit dürften es gut fünf Millionen sein. Es lockt ein Multimillionen-Markt. Denn die jährlichen Therapiekosten für Europa werden auf EUR 4‘500 bis EUR 30‘000 geschätzt – bei einer Brutto-Marge von 60% bis 70% im Cannabis-Geschäft goldschimmernde Aussichten. Noch aber stehen Investitionen an, wodurch die meisten Firmen noch rote Zahlen schreiben. Die Stossrichtung ist dennoch klar. So hat sich beispielsweise Canopy Growth bereits 2016 in den deutschen Markt eingekauft und eine Konzernzentrale in Europa aufgebaut. Momentan arbeiten gut 60 Menschen für Canopy in Europa. Ende 2019 sollen es bereits 500 sein. Wettbewerber Aurora plant in Dänemark den Aufbau einer zehn Fussballfelder grossen Cannabisfarm und sucht derzeit in Portugal nach neuen Anbauflächen. Zudem haben sich die kanadischen Firmen auf die Ausschreibung des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) beworben, das Lizenzen für den Anbau von medizinischem Cannabis vergeben wird. Die noch junge Branche hat grosse Pläne, die Aussichten sind beachtlich. Dennoch raten wir Anlegern mit einer normalen Risikoneigung von Investments ab. Der Markt ist noch immer auf der Suche nach einem fairen Bewertungsniveau der gelisteten Unternehmen. Wer dennoch investieren möchte, sollte auf die Grossen der Branche setzen.
Konklusion:
Pot-Stocks sind vor allem für Anleger mit einer sehr hohen Risikotoleranz interessant. Für Anleger mit geringerer Risikofreude kommen – wenn überhaupt – Canopy, Tilray, Aphria, Aurora oder Cronos in Frage.