
Auf welche Probleme die westlichen Notenbanken zusteuern, ist derzeit beispielhaft in Japan zu beobachten. Wie der Internationale Währungsfonds in einem Bericht zu Japan schreibt, sei die Fiskal- und Geldpolitik mittlerweile überbeansprucht, so dass der Spielraum für Reaktionen auf Schocks limitiert sei. Kurzum: Die von der Bank of Japan (BoJ) seit Jahren praktizierte Stützung der heimischen Wirtschaft verliert an Durchschlagskraft. Eine Sichtweise, die sich anscheinend auch bei der BoJ durchsetzt. Denn die japanische Notenbank zielt eigentlich darauf ab, jährlich Staatsanleihen im Umfang von JPY 80‘000 Milliarden aufzukaufen. Im bisherigen Jahresverlauf waren es jedoch nur JPY 20‘000 Milliarden. Der Kauf von Indexfonds wird die Zielmarke von JPY 6‘000 Milliarden in diesem Jahr aller Wahrscheinlichkeit nach nicht erreichen. Gegenwärtig hat die BoJ erst Papiere im Volumen von JPY 3‘800 Milliarden zugekauft. Wir werten dies als Zeichen dafür, dass die BoJ einsehen musste, dass die geldpolitischen Stimuli nicht mehr ausreichen, um die Wirtschaft nachhaltig zu stützen. Der Internationale Währungsfonds IWF schlägt nun vor, dass die japanische Regierung trotz der sehr hohen Staatsschulden mit fiskalischen Mitteln die Wirtschaft stimulieren solle. Zugleich sollte die Konsumsteuer bis 2025 auf 15% angehoben werden, die Zielrendite von 0% für zehnjährige Staatsanleihen auf kürzere Laufzeiten verschoben und das Inflationsziel von 2.0% zugunsten einer Bandbreite aufgegeben werden. Vor allem die Verschiebung des 0%-Renditeziels auf Staatsanleihen mit kürzeren Laufzeiten erscheint uns nicht praktikabel. Die japanische Finanzbranche leidet ähnlich wie die Banken in Westeuropa unter dem tiefen Zinsumfeld. Sollte die BoJ eine Verschärfung des Zinsumfelds anpeilen, dürfte dies zu einem regelrechten Aufstand in der Bankenbranche führen. Eine weitere Schwächung der heimischen Finanzindustrie kann nicht im Interesse der BoJ und der Regierung in Tokyo liegen. Auch der Vorschlag des IWF, die Konsumsteuer bis 2025 auf 15% anzuheben, dürfte in den Reihen der japanischen Regierung nicht auf grosse Gegenliebe fallen. Erst im Oktober hatte die Regierung wie angekündigt die Steuer von 8% auf 10% erhöht und könnte damit einen Konsumeinbruch ausgelöst haben. Bereits wird vermutet, dass die japanische Wirtschaft im vierten Quartal ein durchaus deutliches Minuswachstum ausweisen werde. Eine Erhöhung der Konsumsteuer auf 15% binnen weniger Jahre, würde den Verbrauch über Jahre dämpfen und damit eine Konjunkturstütze zum Zusammenbruch bringen. Da die BoJ mit ihren geldpolitischen Stimuli anscheinend das Ende der Fahnenstange erreicht hat, wird also die Regierung in Tokyo nicht umherkommen, neue fiskalpolitische Impulse zu setzen, um die Wirtschaft zu stützen, was zugleich die ohnehin horrende Staatsverschuldung weiter anheizen wird.
Konklusion:
Die geldpolitischen Massnahmen der Bank of Japan haben anscheinend kein Wirkung mehr auf die Realwirtschaft. Nun muss die Politik eingreifen. Ein warnendes Beispiel für Europa!