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Fundamentale Analyse - Geldpolitik

Notenbanken werden die Geldschleusen offen halten
Die Notenbanken haben infolge der Pandemie die Märkte mit Liquidität geflutet. Es war eine notwendige Reaktion auf den pandemiebedingten Konjunkturschock, der weltweit schmerzhaft zu spüren war. Dieser Paradigmenwechsel in Reihen der Notenbanken haben u.E. dazu geführt, dass die Währungshüter die Haushaltsdefizite monetisiert haben, den Preis des Geldes beeinflussen und letztlich sogar den Wert von Aktien, Krediten und anderen risikoreicheren Vermögenswerten direkt oder indirekt bestimmen. Vielleicht erweist sich das aggressive Vorgehen der Notenbank in der Nachbetrachtung als die Büchse der Pandora. Denn es erscheint uns höchst fraglich, dass die Notenbanken die Geldschleusen in absehbarer Zeit wieder schliessen können.
1. Konjunkturerholung: Solange die Wissenschaft keinen zuverlässigen Impfstoff gegen SARS-CoV-2 entwickelt, steht die Konjunkturerholung auf einem sehr dünnen Fundament. Dass die meisten Volkswirtschaften bereits im kommenden Jahr wieder die Wirtschaftsleistung des Vorkrisenniveaus erreichen werden, erscheint gegenwärtig fraglich. Denn die anhaltend hohe Pandemieentwicklung in vielen Teilen der Welt (der komplette amerikanische Kontinent, Indien, Russland, Südafrika) könnte eine Erholung schnell wieder abwürgen, wenn neuerliche Lockdown-Massnahmen ergriffen werden müssten.
2. Selbst wenn die bis dato flache Inflation steigen sollte, so hat allen voran die amerikanische Notenbank Fed bereits durchblicken lassen, dass sie auch eine Teuerung oberhalb des Zielkorridors um die magische 2%-Marke dulden werde. Ohne eine anhaltend inflationäre Beschleunigung dürfte es vor allem der Fed schwerfallen, von den gegenwärtigen Massnahmen abzuweichen.
3. Die Pandemie wird die Verschuldung der Staaten, Privaten und Unternehmen in die Höhe treiben. Die Schuldenquoten der Industrieländer könnten auf 200% oder sogar 300% des Bruttoinlandsprodukts ansteigen, prophezeien Ökonomen. Damit dürfte selbst ein geringer Anstieg der Zinssätze angesichts der enormen Verschuldung die fragile Erholung der Weltwirtschaft gefährden.
4. Die Liquiditätsrallye der vergangenen Monate und in der Dekade zwischen 2009 und 2019 hat gezeigt, wie gross die Abhängigkeit der Anleihen- und Aktienmärkte von der steten Geldflut der Notenbank ist. Die Frage ist, ob eine Notenbank genug Mut hat, dieses Kartenhaus einzureissen! Vor allem in den USA wären von einem Kapitalmarktkollaps auch die Altersguthaben/Pensionskassen betroffen.
Die expansive Geldpolitik ist systemisch geworden. Eine Abkehr auf absehbare Zeit ist kaum vorstellbar. Sollte die Konjunktur zudem lahmen, dürften die Notenbanken weitere Instrumente einführen, wie beispielsweise den Kauf von Aktien. Vor diesem Hintergrund ist die gegenwärtige laxe Geldpolitik der neue Standard und wird wahrscheinlich bis Mitte, wenn nicht sogar Ende, dieses Jahrzehntes Bestand haben.

Konklusion:
Die ultralockere Geldpolitik ist das „new normal“. Eine Rückkehr zu alten Paradigmen erscheint uns angesichts der Risiken auf Sicht mehrerer Jahre so gut wie ausgeschlossen.