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Fundamentale Analyse - EZB

Neuerliche Lockdown dämpfen Erholung
Im Sog des Machtwechsels im Weissen Haus in Washington war die erste tournusmässige Sitzung der Europäischen Zentralbank ein wenig in den Hintergrund gerückt. Dabei hatte EZB-Chefin Christine Lagarde durchaus einige interessante Aspekte zu verkünden. Wenig überraschend hält die Europäische Zentralbank an ihrer bisherigen geldpolitischen Ausrichtung fest. Allerdings betonte die Präsidentin der EZB die „sehr grosse Flexbilität“ der europäischen Geldpolitik. Das bisher beschlossene Volumen des unter dem Kürzel „PEPP“ („Pandemic Emergency Purchase Programme“) bekannten Anleihenkaufprogramms von EUR 1.85 Billionen könne „gleichermassen“ reduziert oder auch angehoben werden. Damit verschafft sich die EZB den grösstmöglichen Spielraum, um die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie für den europäischen Währungsraum abzufedern. Dass der Euro im Zuge dieser Ankündigung zulegte, führen wir darauf zurück, dass Lagarde die Möglichkeit mit einbezog, PEPP nicht voll ausschöpfen zu müssen. Gegenwärtig erscheint uns dieses Szenario aber eher unwahrscheinlich. So dämpfen die erneuten Lockdown in vielen europäischen Ländern die Konjunkturerholung, auch wenn sich die Industrie nach wie vor in einer Erholungsphase befindet. Im Gegensatz dazu befindet sich der Dienstleistungssektor aber weiter in einem tiefen Tal der Tränen; zumal sich die Konsumlust der Menschen angesichts der prekären Lage weiter verschlechtern könnte. In der Folge scheint sich nun zu bewahrheiten, wovor wir seit einigen Monaten warnen. Lagarde stellte in Aussicht, dass das Wachstum in der Eurozone im vierten Quartal 2020 negativ ausfallen werde. Und die belastende Entwicklung halte im ersten Quartal 2021 an. Damit dürfte das Szenario eines erneuten Rückfalls in die Rezession Realität werden. Angesichts dieser Entwicklung gehen wir davon aus, dass die EZB Ende des ersten Quartals 2021, spätestens zu Beginn des zweiten Quartals 2021 das laufende PEPP-Programm nochmals ausweitet. Denn der Abwärtsdruck dürfte pandemiebedingt bis ins zweite Quartal reichen. Vor allem der schleppend verlaufende Start der Impfkampagnen in Europa dürfte eine schrittweise Rückkehr zu einem „normalen“ Leben verzögern. Vor diesem Hintergrund erscheint es uns äusserst dringlich, dass das EUR 750 Milliarden schwere Wiederaufbauprogramm der Europäischen Union endlich richtig anlaufen muss, um der darbenden Wirtschaft nachhaltig zu helfen. Kurzum: Wir gehen davon aus, dass die EZB bei PEPP nachlegt und auch die Politik nochmals neue fiskalische Massnahmen einleitet, um die dramatischen Folgen der Krise meistern zu können.

Konklusion:
Die Eurozone dürfte erneut eine technische Rezession durchlaufen. Wir gehen daher davon aus, dass die EZB das laufende PEPP nochmals ausweitet.