Die Lage an den europäischen Aktienmärkten hat sich auch in der zurückliegenden Woche nicht nachhaltig beruhigt. Einerseits fehlten die Vorgaben aus den USA. Zahlreiche Anleger nutzten den Thanks-Giving-Feiertag am Donnerstag für ein verlängertes Wochenende. Andererseits schweben über den Märkten natürlich noch zahlreiche Unsicherheitsfaktoren. Der zentrale Punkt an der Börse bleibt der Handelskonflikt zwischen den USA und China. Zwar zeigt sich die Konjunktur nach wie vor in einem robusten Zustand, aber die Furcht, dass der Handelskonflikt Asien und Europa in eine Rezession führen könnte, bestimmt gegenwärtig die Stimmung der Anleger.
Unwidersprochen: Eine Rezession ist immer schmerzhaft. Aber sie ist doch zugleich ein integraler Bestandteil eines jeden Konjunkturzyklus und daher in einem gewissen Masse als Normalität zu bezeichnen. Denn letztlich ist eine Rezession nur ein Bereinigungsprozess, aus dem eine Wirtschaft in der Regel gestärkt hervorgeht. Das wirklich Tragische an der aktuellen Entwicklung ist, dass sie zu einem Zeitpunkt kommt, der ungemütlicher nicht sein könnte, womit sich unsere Kritik an die EZB bestätigt. Sie hat zu lange an der ultralockeren Geldpolitik festgehalten und könnte gezwungen sein, die Geldpolitik in einer Phase des konjunkturellen Abschwungs straffen zu müssen. Dass zeitgleich auch noch ein harter Brexit droht und der italienisch-europäische Haushaltskonflikt eskaliert, macht die ganze Sache noch komplizierter. Fakt ist: Die Europäische Zentralbank hat ihr Munitionslager geleert und stünde im Falle einer Rezession in der Eurozone mit runtergelassenen Hosen da. Erschwerend kommt hinzu, dass vor allem die ohnehin krisenanfälligen Wirtschaften im Süden Europas nur sehr wenig Spielraum haben, um ein „deficit spending“ zu betreiben.
Es ist daher verständlich, dass vor allem europäische Anleger dem G20-Gipfel in Buenos Aires entgegenfiebern. Auch wenn sich die Fronten zwischen den USA und China am jüngsten APEC-Gipfel unverändert hielten, so lebt die Hoffnung, dass sich die beiden Kontrahenten angesichts der grossen Risiken, die ihr Verhalten für die globale Konjunktur hat, doch noch annähern und den Konflikt entschärfen können. Die Sorge vor einer extrem schmerzhaften Rezession in Europa, denen Staaten und die EZB nur wenig entgegenzusetzen hätten, würde deutlich kleiner werden und die an der Börse lähmende Furcht vertreiben. Selbst wenn der G20-Gipfel ergebnislos bleibt, könnte es am Markt eine minimal positive Reaktion geben – denn die verzwickte Lage hat sich zumindest nicht noch weiter verschlechtert und die bisher gesehenen Kursverluste preisen eine markante Konjunkturabkühlung mittlerweile ein.
Konklusion:
Der G20-Gipfel dürfte entscheidend sein, ob die Märkte einen Jahresendspurt wagen oder in der gegenwärtigen Tristesse verharren.Allerdings ist der Ausgang des Gipfels nach dem APEC-Treffen offener denn je.