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Fundamentale Analyse - Europa

Der Handelsstreit mit den USA, die zuletzt schwach ausgefallenen Konjunkturdaten, die ausbleibende Inflation und wahrscheinlich auch die Korrektur an den europäischen Börsen im ersten Quartal könnten die Europäische Zentralbank in ihren Bemühungen, die laxe Geldpolitik zu normalisieren, ausbremsen. Dies ist zumindest der Eindruck, der EZB-Chef Mario Draghi im Anschluss an die jüngste EZB-Ratssitzung hinterlassen hat. Draghi, sonst ein Freund eher zuversichtlicher Worte, malte ein deutlich vorsichtigeres Bild der Wirtschaftsentwicklung in der Eurozone. Auch die protektionistische Politik in den USA scheint bei den europäischen Notenbankern Spuren in den Köpfen hinterlassen zu haben. Mario Draghi: „Wenn wir eine Anhebung der Zölle haben und eine Zunahme des Protektionismus, könnte es direkte Auswirkungen geben.“ Der bei 0% liegende Leitzins bleibt unangetastet, der negative Einlagenzins hat weiter Bestand und auch die monatlichen Anleihenkäufe werden fortgesetzt. Auch Hinweise darauf, wie die EZB nach Ende September 2018 – bis zu diesem Zeitpunkt wurden die Anleihenkäufe Ende letzten Jahres verlängert – mit dem Wertpapierkaufprogramm fortfahren will, vermied die Notenbank peinlichst genau. Vor einem Monat hatte die EZB angesichts der verbesserten Konjunktur in ihrem Ausblick noch die Option gestrichen, die Transaktionen nochmals aufstocken zu können. Aus unserer Sicht gerät die EZB angesichts des sich eintrübenden Umfelds bezüglich ihrer Bemühungen, die Geldpolitik zu normalisieren, zunehmend in die Defensive. Denn sollten sich die Konjunkturaussichten in den kommenden Monaten weiter verdunkeln und im schlechtesten Fall ein von den USA entfachter Handelskrieg entbrennen, sind der EZB die Hände gebunden. Würde sie in solch einer Phase die Geldpolitik restriktiver gestalten, bestünde die Gefahr, dass diese Massnahmen die europäische Wirtschaft zusätzlich belasten würden und einen möglichen Abschwung beschleunigen. Kurzum: In diesem Fall hat sie den idealen Zeitpunkt für den Ausstieg aus der ultralockeren Geldpolitik verpasst. Und schlimmer noch: Im Falle einer konjunkturellen Kontraktion, was zum gegenwärtigen Zeitpunkt zwar unwahrscheinlich, angesichts der geopolitischen Spannungen aber nicht ausgeschlossen werden kann, fehlten der EZB die notwendigen Handlungsspielräume, um die Wirtschaft erneut zu stützen. In einem solchen Fall könnten erneut grössere Zweifel an der Schuldentragfähigkeit einzelner Euro-Länder aufkommen, was im schlechtesten Fall erneut eine Euro-Vertrauenskrise auslösen und in der Folge die wirtschaftlichen Abschwungstendenzen verschärfen könnte. Die EZB gerät angesichts des sich eintrübenden Umfelds zunehmend in die Defensive. Sie droht, den richtigen Zeitpunkt zum Einstieg in den geldpolitischen Ausstieg verpasst zu haben.
Konklusion:
Die EZB hat sich nach ihrer jüngsten Ratssitzung nur noch verhalten optimistisch geäussert. Die Notenbank könnte den idealen Zeitpunkt zur geldpolitischen Normalisierung verpasst haben.