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Fundamentale Analyse - Europa

Planspiele der EZB für ausfallgefährdete Kredite
Nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters plant die Europäische Zentralbank eine Art Internetkaufhaus für faule Kredite europäischer Banken. Gemäss EZB-Experte Edward O‘Brian, der in die Pläne der EZB involviert sei, plane die EZB eine Website aufzubauen, auf denen europäische Geldhäuser ihre faulen Kredite zum Verkauf anbieten können. „Die Idee ist, den Markt für Käufer von kleineren Portfolios zu öffnen mit einem Marktplatz im Stile von Amazon oder eBay, auf dem man browsen kann“, so O‘Brian. Laut aktuellen Daten belaufen sich die ausfallgefährdeten, nicht bedienten Kredite in der Eurozone auf gut EUR 500 Milliarden. Dies ist zwar weniger, als Experten vor gut einem Jahr erwartet hatten. Damals sprach man von ausfallgefährdeten Krediten in Höhe von EUR 700 Milliarden. Allerdings könnte der Berg nach Schätzung zahlreicher Marktbeobachter in den kommenden Monaten deutlich wachsen. Zahlreiche staatliche Stützungsprogramme werden auslaufen und dann dürfte die Coronakrise erst mit ganzer Wucht auf den Kreditmarkt durchschlagen. Nicht wenige Ökonomen fürchten im Worstcase, dass die Summe der faulen Kredite binnen weniger Quartale auf bis zu EUR 1‘000 Milliarden regelrecht explodieren könnte. Dies wäre für die Bankenbranche gleich doppelt bedrohlich. Erstens belasten die faulen Kredite die Bilanzen – wohin dies führen kann, wurde der Welt während der Finanzkrise vor mehr als zehn Jahren vor Augen geführt. Zweitens verringert ein starker Anstieg der ausfallgefährdeten Kredite die Ausgabe neuer Kredite, was die Konjunkturerholung und damit ganze Volkswirtschaften schwächen könnte. Angesichts der Ausmasse an faulen Krediten herrscht in den Banktürmen der EZB in Frankfurt seit Jahren eine Diskussion über die Schaffung einer „Bad Bank“, in welche europäische Geldhäuser ihre Problemassets auslagern können. Bisher scheiterte dieses Vorhaben am politischen Widerstand aus Deutschland und den Niederlanden, die immer wieder vor einer Vergemeinschaftung europäischer Schulden warnen. Allerdings haben sich in Spanien und Irland solche Bad Banks als Sammelstelle für toxische Papiere nach der Finanzkrise bewährt und die dortigen Finanzplätze vor dem Ruin gerettet. Eine Handelsplattform, wie sie anscheinend nun angedacht wird, benötigt hingegen keine europaweiten Garantien und sie könnte vergleichsweise schnell – wahrscheinlich binnen 12 Monaten – an den Start gebracht werden. Zugleich könnte durch die Handelbarkeit kleinerer Kredittranchen verhindert werden, dass nur grosse institutionelle Kunden, wie beispielsweise Hedge Funds, zum Zug kommen. Angeblich sollen kleinere Kredit-Pakete bis zu einem Wert von EUR 10 Millionen angeboten werden. Einer Studie von Deloitte zufolge wurden in Europa zwischen 2014 und 2019 mehr als EUR 450 Milliarden an Krediten verkauft – rund die Hälfte davon übernahmen Adressen wie Cerberus, Blackstone, Lone Star und Goldman Sachs.

Konklusion:
Uns gefällt die Idee einer Handelsplattform der EZB für ausfallgefährdete Kredit. Ob eine solche aber verwirklicht wird, dürfte v.a. an den politischen Akteuren in Deutschland und den Niederlanden liegen.