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Fundamentale Analyse - Europa

Pandemie bestimmt die wirtschaftliche Erholung
Die Konjunkturentwicklung in den USA mahnt auch in Europa zur Vorsicht. Denn die Erholung der Wirtschaft scheint deutlich stärker mit dem Pandemiegeschehen verwoben als erwartet. Aus dem Sitzungsprotokoll des Offenmarktausschusses FMOC der amerikanischen Notenbank Fed geht hervor, dass sich die Mitglieder einig waren, „dass die anhaltende Krise der öffentlichen Gesundheit kurzfristig die wirtschaftliche Aktivität, die Beschäftigung und die Inflation schwer belastet“. Auch mittelfristig stelle die Pandemie ein beträchtliches Risiko für den wirtschaftlichen Ausblick dar. Die wieder gestiegenen wöchentlichen Erstanträge auf US-Arbeitslosenhilfe schienen diese skeptische Sicht fast zeitgleich zu untermauern. Wir fürchten, dass sich auch in Europa die Konjunkturerholung ähnlich entwickelt. Für das dritte Quartal dürften die europäischen Volkswirtschaften zwar starke Wachstums-zahlen ausweisen, die jedoch die Coronadelle im ersten und zweiten Quartal 2020 bei weitem noch nicht ausgleichen können. Mit dem beginnenden Herbst/Winter 2020 und den wieder deutlich steigenden Neuinfektionszahlen mit SARS-CoV-2 dürfte die Erholung infolge neuerlicher Beschränkungen des öffentlichen Lebens wieder an Schwung verlieren. In diese Richtung argumentiert auch die Banque de France in einer aktuellen Studie. Anstelle einer v-förmigen Konjunkturerholung vergleicht sie die wirtschaftlichen Aussichten für Europa eher mit den Flügeln eines Vogels. Vor allem im BEACH-Segment (Booking, Entertainment, Airlines, Cruises und Hotels) drohen die neuen Reisebeschränkungen und neuerlichen Einschränkungen aufgrund der Pandemie jegliche Erholung im Keim zu ersticken. Französische Hotels und Restaurants melden beispielsweise nach wie vor eine weit unter dem Normalwert liegende Nachfrage. Zudem drohen auch Branchen wie der Automobilproduktion oder der Arzneimittelbereich, welche sich schnell vom Coronaschock erholten, neue Rückschläge. Die Banque de France sieht bei diesen Branchen bereits ein Plateau erreicht – ein Rückgang bereits im August sei nicht auszuschliessen. Auch die Komposit-Frühindikatoren der OECD für Europa, die einen Vorlauf von rund sechs Monaten gegenüber der Realwirtschaft aufweisen, mahnen zur Vorsicht. Denn nach einem sehr starken Anstieg im Juni hat sich der Indikator bereits wieder im Juli abgeschwächt. Angesichts der jüngsten Entwicklung passen auch wir unsere Erwartungen an die Konjunkturerholung an. Wir gehen nicht mehr von einer v-, schrägen v- oder u-förmigen Erholung aus, sondern sehen eher ein Wellenmuster mit steigenden Hochs und Tiefs. Mit einem wieder ansteigenden Pandemiegeschehen in Europa verliert die Erholung in der Folge an Dynamik. Verliert die Pandemie an Dynamik, dürfte sich die Erholung in den Folgemonaten hingegen festigen. Dies zeigt die Notwendigkeit eines wirksamen und in ausreichender Menge zur Verfügung stehenden Impfstoffes für die Wirtschaftserholung.

Konklusion:
Wir rechnen angesichts der jüngsten Entwicklung mit einer wellenförmigen Konjunkturerholung. Das Pandemiegeschehen wird massgeblich für die wirtschaftliche Erholung verantwortlich sein.