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Jahr 2022

Fundamentale Analyse - Europa

Anleger und Ökonomen fahren weiter auf Sicht
Die Unsicherheit darüber, wie sich die globale Konjunktur in den kommenden Monaten entwickelt, ist derzeit so gross wie noch nie seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Einerseits signalisieren Stimmungsindikatoren, dass sich die Wirtschaft in den kommenden Monaten markant erholen könnte. So stieg beispielsweise der jüngst veröffentlichte Ifo-Geschäftsklimaindex für Deutschland so stark wie nie zuvor innerhalb eines Monats. Konkret kletterte der Ifo-Index für Juni von 79.7 auf 86.2 Punkte. Die Einschätzung der Lage verbesserte sich dabei von 78.9 auf 81.3 Zähler. Die Erwartungen machten einen kräftigen Sprung nach oben – diese stiegen von 80.5 Punkten im Vormonat auf 91.4 Zähler. Viele Ökonomen sind sich sicher: Das Schlimmste – mit Blick auf den Konjunkturverlauf – liegt hinter uns. Zwar schätzen im Moment fast alle Branche ihre Lage als schlecht ein, doch der Blick in die Zukunft fällt zunehmend optimistisch aus. Dies darf jedoch andererseits nicht darüber hinwegtäuschen, dass es sich dabei um eine Momentaufnahme handelt. Denn so schön die sich aufhellende Stimmung auch ist – Sicherheit für einen starken Aufschwung bietet sie nicht. Denn es gibt auch zahlreiche Stimmen, die davor warnen, dass die Rezession noch tiefer ausfallen könnte als erwartet. Zu den gewichtigsten Warnern gehört der Internationale Währungsfonds IWF. Gita Gopinath, die Chefökonomin des IWF, fürchtet, dass sich die Rezessionen in fast allen Ländern der Erde gegenseitig verschärfen könnten. Sie nährt damit die Befürchtung, dass die globale Wirtschaft vor einer Dauerrezession steht. Der IWF bekräftigte diese Sichtweise, indem die Konjunkturprognosen nochmals nach unten revidiert wurden. Gemäss dem IWF dürfte die Weltwirtschaft im Jahr 2020 um 4.9% schrumpfen. Für Deutschland rechnet der Fonds mit einem Minus von neu 7.8% – im April hatte der IWF ein Minus von 7% in Aussicht gestellt! Die Euro-Zone schrumpft gemäss den Berechnungen des IWF um 10.2%, bei Schrumpfungsraten für Frankreich, Italien und Spanien von deutlich über 12%. Diese düstere Prognose begründet der IWF mit dem Fehlen einer konjunkturellen Lokomotive. Denn anders als im Zuge der Finanzkrise vor mehr als zehn Jahren, als China mit milliardenschweren Konjunkturpaketen auch den Volkswirtschaften der Eurozone und USA aus der Krise halfen, dürfte China im aktuellen Umfeld vor allem auf die Stärkung der Binnenwirtschaft abzielen. Insbesonders zahlreiche aufstrebende Länder wurden und werden von der Pandemie schwer getroffen. Weltweit dürften rund 300 Millionen Jobs in der Krise verloren gegangen sein – vielen Menschen, die in den vergangenen Jahren die Konjunktur durch den Konsum stützten, droht der Rückfall in die Armut. Anleger sollten bei allem Börsen-Optimismus nicht vergessen, dass wir weiter auf Sicht fahren. Die steigenden Aktienkurse der letzten Monate könnten sich rasch in Luft auflösen.

Konklusion:
Die Entwicklung der Weltwirtschaft, aber auch an den Börsen, steht auf einem dünnen Fundament. Anleger sollten sich darauf einstellen, im Fall der Fälle sehr schnell zu handeln.