+11.66%
YTD 2026
+15.08%
Jahr 2025
+23.37%
Jahr 2024
+12.28%
Jahr 2023
-6.63%
Jahr 2022

Fundamentale Analyse - Europa

EZB steht unter grossem Handlungsdruck
Die EZB scheint sich auf ein finales geldpolitisches Feuerwerk einzustellen. Dies lässt sich zumindest aus dem jüngst veröffentlichten EZB-Sitzungsprotokoll von Ende Juli herauslesen. Gemäss dem Protokoll schwebt der EZB dabei ein grosses Paket zur weiteren Lockerung der Geldpolitik vor. „Es wurde die Position vertreten, dass verschiedene Optionen als Teil eines Pakets gesehen werden sollten“, heisst es. Demnach hätten verschiedene Instrumente komplementäre und sich verstärkende Effekte, womit es effektiver sei, diese zu kombinieren als mit einer Reihe selektiver Schritte vorzugehen. Ob Mario Draghi auf seiner vorletzten Ratssitzung im September dieses Jahr dieses Massnahmenpaket verkünden wird, scheint u.E. wahrscheinlich. Denn die EZB muss ihre Entschlossenheit zum Handeln unter Beweis stellen, um die darbende Konjunktur in der Eurozone wieder anzukurbeln. Denn es zeichnet sich bereits ab, dass die konjunkturelle Talfahrt der europäischen Währungsgemeinschaft deutlich ausgeprägter sein könnte, als bis dato erwartet wurde. Eine Rezession scheint mit jedem Tag wahrscheinlicher zu werden – zumal sich Deutschland, die grösste Volkswirtschaft der Währungsgemeinschaft, bereits im roten Wachstumsbereich befindet. Auch die EZB sieht die Gefahr, dass die konjunkturelle Schwächephase länger andauern könnte als gedacht. Denn die erwartete wirtschaftliche Belebung in der zweiten Jahreshälfte 2019 ist derzeit nicht in Sicht. Wie sich ein solches geldpolitisches Massnahmenpaket detailliert darstellen dürfte, ist derzeit schwer abschätzbar – die EZB gibt sich diesbezüglich gewohnt wortkarg. Sicher scheint hingegen, dass die Notenbanker abermals an der Zinsschraube drehen werden und ein neues europäisches QE-Programm (Wertpapierkäufe) aufgelegt werden dürfte. Zudem dürfte die EZB punkto Einlagenzinses für die Banken ein sog. Tiering – also eine Staffelung des Einlagenzins – anstreben. Dieser Zins liegt derzeit bei minus 0.4%. Vorstellbar wäre, dass die EZB eine Art Freibetrag einführt, bis wahrscheinlich der Einlagenzins bei null liegen würde – das Ziel wäre, die negativen Folgen des Minuszinses auf den Finanzsektor abzumildern. Ein Tiering würde u.E. zugleich implizieren, dass die EZB den Einlagenzins noch tiefer in den roten Bereich senken wird. Vorstellbar ist – vor dem Hintergrund, dass die Brexit-Modalitäten weiter unklar sind – dass die EZB angesichts dessen eine Staffelung ihres Vorgehens anstrebt. Denn sollte die EZB bereits im September alles Details eines Massnahmenpakets festschnüren, hätte sie im Fall eines harten Brexit zu wenig Spielraum, um auf die befürchteten negativen Konjunktureffekte reagieren zu können. Entsprechend dürfte die EZB das Massnahmenpaket im September ankündigen, den Umfang der Massnahmen jedoch erst festlegen, wenn die Modalitäten des Brexit festgelegt sind bzw. klar ist, ob es einen geregelten oder harten Brexit geben wird.
Konklusion:
Die EZB dürfte angesichts der wirtschaftlichen Talfahrt der Eurozone zum finalen geldpolitischen Feuerwerk ausholen. Das könnte den Aktienmarkt neu beleben.