+11.66%
YTD 2026
+15.08%
Jahr 2025
+23.37%
Jahr 2024
+12.28%
Jahr 2023
-6.63%
Jahr 2022

Fundamentale Analyse - Europa

Gefahr eines unregulierten Brexit wächst mit jedem Tag
Bis Redaktionsschluss stand noch nicht fest, ob Brexit-Hardliner Boris Johnson oder sein etwas gemässigter Konkurrent Jeremy Hunt das Rennen um den Vorsitz der britischen Konservativen gewonnen hat. Johnson galt bis zu letzt als Favorit – obwohl der Hardliner erschreckende Wissenslücken bei seinem Lieblingsthema in den verschiedenen Live-Interviews offenbarte. An den Kapitalmärkten war es im Frühjahr – nach der Fristverlängerung durch die EU – in der öffentlichen Wahrnehmung etwas ruhiger um den Ausstieg Grossbritanniens aus der EU geworden. Eine trügerische Ruhe, wie sich noch zeigen dürfte. Denn die Fronten – vor allem jene in Grossbritannien – sind verhärtet. Während die Briten noch immer auf Nachverhandlungen der bestehenden Austrittsregelung pochen – vor allem der Backstop für Nordirland ist in GB umstritten – bleibt die EU bei ihrem „Niet“ zu Nachverhandlungen des Austritts-Deals. Die Gefahr eines Brexit ohne Rahmenabkommen mit der EU steigt mit jedem Tag und dürfte im Zuge eines Siegs von Boris Johnson im Rennen um den Parteivorsitz sprunghaft ansteigen. Zumal den politischen Verantwortlichen einmal mehr die Zeit davonläuft. Am 31. Oktober läuft die verlängerte Brexit-Frist aus – ob die EU nochmals Nachsicht walten lässt und im Falle eines drohenden No-Deal-Brexit erneut eine Fristverlängerung einräumt, erscheint zwar nicht ausgeschlossen, aber auch nicht als sicher. Die wieder steigende Nervosität vor dem, was in den kommenden Wochen auf GB und die EU zukommt, zeigt sich vor allem an den Währungsmärkten. Gegenüber dem amerikanischen Dollar fiel das britische Pfund vor wenigen Tagen mit USD 1.2380 auf ein Zweijahrestief. Gegenüber dem Euro notierte es mit EUR 1.1070 auf dem niedrigsten Stand seit Jahresbeginn. Im Mai stand die britische Währung noch bei EUR 1.17. Darin spiegeln sich auch die drohenden wirtschaftlichen Folgen eines ungeordneten Brexit – denn diese wären nach Ansicht vieler Analysten vor allem für GB verheerend. Eine tiefe und wahrscheinlich lang anhaltende Rezession im Vereinigten Königreich wäre kaum abzuwenden. Bereits die jüngsten Konjunkturdaten von der Insel weisen auf eine massive Abkühlung der wirtschaftlichen Tätigkeit hin. Für das abgeschlossene zweite Quartal erwarten zahlreiche Ökonomen bestenfalls nur noch ein Nullwachstum. Dass Johnson grosse Steuersenkungen angekündigt hat, um die Konjunktur anzukurbeln, geht angesichts des politischen Chaos derzeit unter. Zumal berechtigte Zweifel an der Umsetzbarkeit dieser Pläne bestehen. Hat die Regierung überhaupt genügend Geld, um im Falle einer tiefen Rezession Grossbritanniens die Steuern zu senken? Dies darf unseres Erachtens zumindest stark angezweifelt werden.

Konklusion:
Die Pfund-Schwäche dürfte sich noch über Wochen – wenn nicht sogar Monate – hinziehen. Wir raten von Investments in den GBP-Währungsraum aufgrund der politischen Unsicherheiten derzeit ab.