
„Sell in May and go away“ – die alte Börsenweisheit hat sich 2019 für Investoren am Aktienmarkt als richtig erwiesen. Zahlreiche Börsen verzeichneten die schlechteste Mai-Performance seit Jahren. Beim deutschen DAX ging es im Mai 2019 beispielsweise um 5.0% bachab. Ein grösseres Minus verzeichnete der deutsche Leitindex letztmals im Jahr 2012, als der DAX um 7.3% nachgab. Ähnlich ist das Bild beim Euro Stoxx50 als auch beim S&P500. Der europäische Bluechip-Index sackte im zurückliegenden Börsenmonat um 6.6% ab. Auch der Euro Stoxx50 verzeichnete zuletzt im Mai 2012 einen noch grösseren prozentualen Abschlag (-8.1%). Der marktbreite US-Aktienindex, S&P500, sank im Mai dieses Jahres um 5.8%. Auch beim US-Index muss der Vergleich zum Jahr 2012 her, als der S&P500 letztmals ein derart grosses Kursminus (-6.7%) verzeichnete; und es war das erste Mal seit dem Jahr 2012, dass der S&P500 im Mai überhaupt ein Minus aufweist – dies bestärkt unsere grundsätzliche Abneigung gegenüber sog. Börsenweisheiten. Anleger, die bereits 2012 am Markt aktiv waren, dürften sich an die damaligen Begleitumstände noch erinnern. Die Euro-Schuldenkrise kochte hoch. Der Markt war in Panik. Die Zukunft des Euro und der Eurozone wurden von fast allen Seiten in Frage gestellt. Im Juli 2012 dann die Wende: EZB-Chef Mario Draghi hielt seine unvergessene „Whatever it takes“-Rede. Die Untergangsszenarien, die den Markt damals über Monate belasteten, verstummten unmittelbar und die Märkte schossen in den folgenden Monaten in die Höhe. Der DAX legte zwischen Ende Mai 2012 bis Ende Dezember 2012 über 21% zu. Noch grösser war das Plus beim Euro Stoxx50. Dieser legte satte 23% zu. Und 2019? Momentan fällt es schwer, grosse Zuversicht zu verbreiten. Trump scheint die gesamte Welt mit Strafzöllen überziehen zu wollen – er scheint überall nur noch Feinde zu wittern. Und doch haben wir die Hoffnung, dass wir auch 2019 noch diesen einen „Whatever it takes“-Moment sehen werden. Wir hoffen noch immer, dass am G20-Gipfel im japanischen Osaka Ende Juni dieser Moment stattfindet und sich China und die USA im Handelsstreit annähern und deutlich freundlichere Töne als zuletzt anschlagen. Die Einsicht, dass es in einem weiter eskalierenden Handelskrieg keine Gewinner, sondern nur Verlierer gibt, sollte selbst die Hardliner zur Raison bringen. Und beide Seiten haben viel zu verlieren. Ein US-Präsident, der sein Land durch seine Handelspolitik in die Rezession geführt hat, dürfte kaum Chancen auf eine Wiederwahl haben. Auch für China ist eine Lösung des Konfliktes überlebensnotwendig. Denn sollte sich der Handelskrieg weiter verschärfen, dürften nicht nur soziale Unruhen die Macht der Partei gefährden. Vielmehr droht dem Land angesichts der Unmenge an Zombi-Firmen und eines kaum durchschaubaren Schattenbankensystems eine sehr harte wirtschaftliche Landung.
Konklusion:
Die Märkte schnitten im Mai 2019 so schlecht ab wie seit sieben Jahren nicht mehr. Wir hoffen, dass der G20-Gipfel Ende Juni den „Whatever it takes“-Moment bringt!