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Fundamentale Analyse - Europa

Die wichtigste Botschaft des jüngsten EU-Sondergipfels zum Thema Brexit war nicht, dass man Grossbritannien erneut einen Aufschub gewährte. Die Vertreter der EU einigten sich darauf, dem Land bis Ende Oktober Zeit zu geben, um den Brexit auf die Zielgerade zu bringen. Viel wichtiger erscheint uns aber, was die Politiker für die Zeit danach anvisieren. So sagte beispielsweise die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel, dass man im Oktober erneut beraten werde, was mit dem Brexit zu tun sei, wenn sich die politische Lage in London bis dahin nicht verändere. Dies ist ein aus unserer Sicht deutlicher Hinweis darauf, dass man Grossbritannien im Ernstfall nochmals eine Galgenfrist gewähren würde und dass die EU ihre Drohgebärde eines No-Deal-Brexit endgültig ad acta gelegt hat. Zwar hatte sich der französische Präsident Emanuel Macron in der jüngsten Brexit-Gipfelnacht zunächst noch quergestellt und gegen eine erneute Fristverlängerung opponiert. Letztendlich will aber auch Macron nicht die politische Verantwortung für einen Chaos-Brexit übernehmen. Damit scheint sicher zu sein: Es wird keinen unregulierten Brexit geben – ganz gleich wie sich die Politik in London weiter entwickeln wird. Zur Not wird es eine dritte, vierte oder gar fünfte Verlängerung der Frist geben. Damit scheint auch ein Belastungsfaktor für die Börsen nicht mehr zu bestehen. Wir haben die Hoffnung, dass die neue Gangart der EU den Brexit nun sogar beschleunigen könnte. Wenn das Land nicht an den Europa-Wahlen teilnehmen will, muss bis Mitte Mai eine politische Lösung für den Austritt gefunden werden – andernfalls muss Grossbritannien an den Wahlen teilnehmen. Darüber hinaus könnte die EU mit ihrer soften Linie auch die Brexit-Hardliner wie Boris Johnson oder Jacob Rees-Mogg unter Zugzwang setzen. Sie hinterliessen in den vergangenen Monaten den Eindruck, dass sie geradezu einen chaotischen Brexit herbeisehnten. Dieser Wunsch hat sich durch die neue softe Verhandlungslinie der EU in Luft aufgelöst. Und die Aussicht, dass Grossbritannien womöglich noch sehr lange Zeit in der EU verbleiben wird, dürfte ihnen überhaupt nicht schmecken. In den ganzen Brexit-Komplex könnte demnach neue Bewegung kommen. Nur ein Szenario scheint mittlerweile vom Tisch: Der No-Deal-Brexit. Wie es in London nun weitergeht, ist gegenwärtig nur schwer einzuschätzen. Ob sich die Politik tatsächlich bis zu den Europawahlen auf einen geordneten Brexit einigen kann, erscheint zwar unwahrscheinlich, aber nicht ausgeschlossen. Zugleich dürften die gewonnenen sechs Monate an Zeit auch anderen Politikinteressen Vorschub geben: Neuwahlen, um die unbeliebte Premierministerin May zu entmachten, sind ebenso vorstellbar wie ein zweites Brexit-Referendum. Das Gute: Die Gefahren für die europäische Wirtschaft und damit die Börsen sind deutlich gesunken.

Konklusion:
Der Brexit hat seinen Schrecken verloren. Der EU-Gipfel hat deutlich gemacht, dass es einen No-Deal-Brexit nicht geben wird. Für die Börse heisst dies: Eine Sorge weniger!