
Vor der Finanzkrise vor mehr als zehn Jahren galt das Investment Banking als eine Art Königsdisziplin im Finanzwesen. Zahlreiche europäische Grossbanken stärkten während der prosperierenden Nuller-Jahre das risikoreiche, aber gewinnträchtige Geschäft. UBS, Deutsche Bank oder Barclays – sie alle wollten zu den mächtigen US-Banken aufschliessen und ihnen Marktanteile abspenstig machen. Es gelang – bis zur Finanzkrise. Heute, zehn Jahre später, sind Europas Banken erneut weit ins Hintertreffen geraten. Die US-Banken sind ihnen meilenweit enteilt. Während Goldman Sachs oder JP Morgan auch dank eines starken Investmentbanking wieder satte Milliardengewinne einstreichen, kämpfen Europas Bankhäuser mit Zukunftsängsten und Minigewinnen. Europas Banken, so muss man es wohl sehen, gehören schon lange nicht mehr zur Weltspitze. Und der Bedeutungsverlust im Beratungs- und Handelsgeschäft wird sich aller Wahrscheinlichkeit nach auch 2019 fortsetzen. Die Analysten von Morgan Stanley malen in einer Studie ein trübes Zukunftsbild. Seit 2012 beobachte man eine schlechtere Performance von europäischen Investmentbanken im Vergleich zu den amerikanischen Playern. Zwischen 2012 und 2018 fiel der Anteil europäischer Investmentbanken am Geschäft in Europa, den Nahen Osten und Afrika um 9 Prozentpunkte auf 31%. In Nordamerika sackten ihre Marktanteile ebenfalls um 9 Prozentpunkte auf noch 20% ab. Und trotz eines wachsenden Marktes dürfte sich der Marktanteil weiter verkleinern. Morgan Stanley erwartet beispielsweise, dass die Erträge im Beratungsgeschäft für die US-Banken bis zum Jahr 2020 um 11% wachsen werden. Europas Banken dürften im gleichen Zeitraum jedoch um 4% schrumpfen. Auch im Aktienhandel scheinen die Europäer gegen die amerikanischen Wettbewerber keinen Fuss auf den Boden zu bekommen. Die US-Banken sollen gemäss Morgan Stanley in diesem Feld bis 2020 um 6% zulegen, während die Europäer 5% verlieren dürften. Und im Handel mit Anleihen, Rohstoffen und Devisen sollen die Erträge der US-Banken bis 2020 zumindest stagnieren, während jene der europäischen Banken um 5% niedriger erwartet werden. Das laufende erste Quartal 2019 dürfte diesen Abwärtstrend bestätigen. Die Analysten der UBS erwarten im globalen Anleihenhandel einen Ertragsrückgang um 11%, im Aktienhandel um 7% und eine Stagnation im Beratungsgeschäft. Vor allem Europas Player scheinen davon übermässig betroffen sein, so die UBS-Analysten. Und die US-Banken wildern zunehmend in Europa. Denn die Berührungsängste, die lange das Bild zwischen europäischen Mittelständlern und US-Banken prägten, sind mittlerweile verschwunden. Dies ist eine Folge der Schwäche europäischer Institute, wie aus Bankenkreisen zu hören ist. Ein Lichtblick ist lediglich Asien, im speziellen China. Dort spielen Europäer und Amerikaner noch auf Augenhöhe. Angesichts der höheren Schlagkraft der US-Banken rechnen wir auch dort über die Zeit mit einer Dominanz von Goldman Sachs und Co.
Konklusion:
Tiefe Zinsen, verunsicherte Anteilseigner und der Bedeutungsverlust im Investment Banking belasten Europas Institute nachhaltig. Wir senken das Sektor-Rating auf „untergewichten“. Eine Wende ist nicht in Sicht.