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Fundamentale Analyse - Europa

In Europa hat sich das Konjunkturbild in den vergangenen Monaten deutlich verdunkelt. Zahlreiche Frühindikatoren deuten an, dass sich die Talfahrt eher fortsetzt, als das eine Erholung einsetzt. Noch wird von offizieller Seite das Wort „Rezession“ gemieden. Aber die Wahrscheinlichkeit einer wirtschaftlichen Kontraktion ist deutlich gestiegen. Auch die Europäische Zentralbank dürfte die Konjunkturentwicklung mit grosser Sorge beobachten. Denn der Handlungsspielraum der Notenbank ist denkbar klein. Der Leitzins liegt bereits bei 0%, der Einlagenzins beträgt -0.4% und ein Wertpapierkaufprogramm scheint unwahrscheinlich – hat die EZB doch erst Anfang dieses Jahres das quantitative Easing beendet.
Wie aus Frankfurter Bankkreisen zu hören ist, wird die EZB wahrscheinlich bereits an der Sitzung im März – sozusagen im vorauseilenden Gehorsam – die nächste geldpolitische Massnahme ankündigen, um die Gefahr einer Rezession möglichst gering zu halten. Bei der Sitzung Anfang März soll die EZB ein milliardenschweres Kreditprogramm für die europäischen Banken auflegen. Im Fachjargon wird diese Massnahmen TLTRO genannt – Targeted Longer-Term Refinancing Operations. EZB-Chef Draghi wird mit diesem Schritt jegliche Zweifel an der Handlungsfähigkeit der Europäischen Zentralbank zu zerstreuen versuchen. Aber zugleich dürfte die EZB die neuen TLTRO in Betracht ziehen, denn einige Banken müssen für die vorherige Runde der vierjährigen Kredite Ersatz suchen, um die Eigenkapitalvorschriften einzuhalten. Erstmals waren solche Kredite im Juni 2014 und dann noch einmal im März 2016 vergeben worden. Bei TLTRO handelt es sich um langfristige Kredite an Banken der Euro-Zone mit sehr attraktiven Konditionen. Die Notenbank will damit Banken zur Vergabe von Krediten an den Privatsektor animieren. In Bankkreisen wurden die bisherigen zwei TLTRO-Runden als eher mässig erfolgreich beschrieben.
Die Gerüchte, dass die EZB die nächste TLTRO-Runde anläuten wird, verdichteten sich durch Aussagen des scheidenden EZB-Chefvolkswirts Benoît Coeuré. Er sagte, die wirtschaftliche Abkühlung der Eurozone sei stärker und breiter angelegt als die Notenbank erwartet hatte. Deshalb kann sich der Franzose auch eine Neuauflage der Langfristkredite für die Geschäftsbanken vorstellen. Solche Darlehen seien möglich, sagte er vor wenigen Tagen an einer Veranstaltung in New York.

Konklusion:
Wir gehen angesichts der Konjunkturentwicklung davon aus, dass die EZB bereits an der März-Sitzung die nächsten geldpolitischen Massnahmen beschliesst. Die nächste TLTRO-Runde steht an.