
Pandemie-Entwicklung bestimmt EUR/USD-Kurs
Der amerikanische Greenback hat eine beeindruckende Rallye hinter sich. Seit dem Jahr 2011, als in den USA die Finanzkrise quasi beendet war und in Europa die Euro-Krise ihren Lauf nahm, steigerte der US-Dollar im Vergleich zu den meisten anderen grossen Währungen seinen Wert. Gemäss Berechnungen der Deutschen Bank wertete der US-Dollar im Vergleich mit dem handelsgewichteten US-Dollar-Index um 40% auf – dieser Index spiegelt die Entwicklung des Greenback zu den Währungen der wichtigsten Handelspartner der USA wider. In diesem Jahr erreichte der Dollar Mitte März seinen Höhepunkt gegenüber der europäischen Gemeinschaftswährung Euro – die Covid-19-Pandemie hatte zu diesem Zeitpunkt Europa mit voller Kraft getroffen und der Aktienmarkt erreichte den Tiefpunkt des Frühjahrscrashs. Angesichts der damaligen Lage suchten Anleger in Massen den als sicher geltenden Dollarhafen auf. Seitdem hat der Wind jedoch gedreht. Der erste Pandemie-Schock ist verdaut, die Zuversicht, dass sich die Wirtschaft vom Stillstand erholt, steigt und damit auch die Risikolust der Anleger. Dass zugleich die US-Notenbank den Leitzins in Richtung null drückte und damit den Zinsabstand zur Eurozone markant verringerte, half dem Euro ebenfalls. Der Euro gewann seit dem Tiefpunkt im März im Vergleich zum US-Dollar gut 6%. Derzeit halten wir es für fast unmöglich, konkrete Aussagen über den weiteren Verlauf des Euro/Dollar-Währungspaares zu tätigen. Vor allem die Entwicklung der Pandemie dürfte das Währungspaar bewegen. Schaffen es die USA nicht, die erste Welle der Pandemie in den Griff zu kriegen – wonach es derzeit leider aussieht – könnte dies auch dem „Save Heaven“-Status des Greenback schaden – sofern Europa und Asien die Situation mehr oder weniger auch im Herbst/Winter 2020/21 im Griff haben werden. Sollte allerdings eine zweite, grosse Welle Europa und Asien treffen, dürfte der US-Dollar weiter als „sicherer Hafen“ angesehen werden. Ferner wird für die weitere Entwicklung des EUR/USD-Währungspaars wichtig sein, dass der globale Wirtschaftsaufschwung wie erhofft Fahrt aufnimmt und in den Folgejahren zu einer Verringerung der Wachstumsunterschiede zwischen den USA und Europa führt. In diesem Fall sollte der tendenziell sehr hoch bewertete US-Dollar eine länger anhaltende Talfahrt aufnehmen. Die Analysten der Citigroup erwarten für einen solchen Fall, dass der US-Dollar auf handelsgewichteter Basis im zweistelligen Prozentbereich nachgeben wird. Mittelfristig sollten die Anleger zudem die US-Präsidentschaftswahlen im Blick haben – auch diese dürften die Dollar-Entwicklung massgeblich beeinflussen. Joe Biden wird nachgesagt, dass er im Fall eines Wahlsiegs einige Unternehmenssteuererleichterungen der Administration Trump wieder zurücknehmen wird – dies schwächt die Konzerne, den Aktienmarkt und damit auch den Dollar. Trump könnte eine Wiederwahl hingegen dazu nutzen, Fed-Chef Jerome Powell 2021 zu ersetzen. Dann läuft Powells erste Amtszeit aus.
Konklusion:
Wir rechnen in den kommenden Monaten mit starken Schwankungen des US-Dollar, wobei ein einheitlicher Trend nicht absehbar ist. Langfristig sollte der hoch bewertete USD aber abwerten!