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Jahr 2023
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Jahr 2022

Fundamentale Analyse - Deutschland

Der schwelende Handelskonflikt zwischen den USA und China, die US-Sanktionen gegen Russland und der Syrienkonflikt belasten die Stimmung in der deutschen Wirtschaft immer stärker. Der Indikator für die ZEW-Konjunkturerwartungen ist im April um 13.3 Punkte auf minus 8.2 Punkte massiv abgerutscht – dies ist der tiefste Stand seit Ende 2012 als die europäische Wirtschaft von der Euro-Krise gezeichnet war. Letztmals war der Indikator im Juli 2016 in den negativen Bereich gesunken. Zum Vergleich: Im Januar notierte das Stimmungsbarometer noch bei plus 20.4 Punkten. Der starke Rückgang hat auch die Analysten überrascht, die lediglich einen Rückgang auf minus 1.0 Punkte erwartet hatten. Neben den geopolitischen Störfeuern werden die Konjunkturaussichten aber auch von markanten Rückgängen bei der deutschen Produktion, den Exporten und den sinkenden Einzelhandelsumsätze im ersten Quartal geprägt. Unseres Erachtens ist der neuerliche Rückgang ein deutliches Zeichen dafür, dass die Konjunktur den Zenit überschritten hat und sich keine neuerliche Zunahme der wirtschaftlichen Dynamik andeutet. Wir erwarten, dass sich die Konjunktur in den kommenden Monaten abkühlt – auch wenn das grundlegende Wachstumsszenario weiter intakt ist. Denn die Auftragsbücher des verarbeitenden Gewerbes sind prall gefüllt. Die deutsche Industrie vermeldete jüngst den höchsten Auftragsbestand seit Jahren. Verglichen mit dem Vormonat stieg der Auftragsbestand um 1.0%, wozu vor allem die höhere Nachfrage aus dem Ausland beitrug. Die Reichweite lag im Februar bei 5.6 Monaten – ein sehr gutes Polster, um eine bevorstehende Konjunkturabkühlung eine Zeit lang kompensieren zu können. Allerdings hat sich der Auftragszuwachs im März abgekühlt, wie aus der deutschen Industrie zu hören ist. Einerseits bestünden Kapazitätsengpässe, die bereits zu extrem langen Lieferzeiten geführt hätten. Andererseits drücken die geopolitischen Spannungen. Aus unserer Sicht könnten nach unten revidierte Wachstumszahlen die ohnehin angeschlagene Stimmung an der Börse zusätzlich belasten. Wir gehen jedoch nicht davon aus, dass die globale Wirtschaft vor einer grösseren Krise steht – viel mehr dürfte sich der fast schon überschwängliche Optimismus zu Beginn des Jahres auf ein Normalmass zurückbilden.
Konklusion:
Die geopolitischen Krisen und der Handelskonflikt zwischen den USA und China drückt auf die Stimmung in Deutschland. Die Konjunktur scheint den Zenit endgültig überschritten zu haben.