
Der deutsche Aussenhandel hat gemäss jüngsten Zahlen vom Statistischen Bundesamt im November deutlich an Schwung verloren. Die Exporte verringerten sich um 0.4%, die Importe gar um 1.6%. Zugleich war die deutsche Produktion im November gegenüber dem Vormonat um 1.9% gesunken. Damit verdichten sich die Hinweise, dass der Boom der deutschen Industrie vorbei ist. Angesichts dieser Zahlen muss davon ausgegangen werden, dass sich der Abschwung der deutschen Konjunktur auch im vierten Quartal 2018 fortgesetzt hatte. Im dritten Quartal war die deutsche Wirtschaft bereits geschrumpft. Es ist zu befürchten, dass Deutschland auch für das Weihnachtsquartal ein negatives Wachstum ausweist, womit das Land offiziell in einer Rezession stecken würde. Allerdings könnte der nach wie vor starke Binnenkonsum die BIP-Entwicklung stärker stützen, womit eine Rezession mitunter vermieden werden könnte. Davon dürften die grossen deutschen, börsennotierten Industrieunternehmen jedoch wenig spüren. Sie generieren gut zwei Drittel ihrer Erlöse im Ausland. Bei mittelständischen Firmen liegt dieser Anteil auch noch bei gut 50% – eine Entwicklung, die sich aufgrund von Arbeitnehmerentlastungen 2019 fortsetzen sollte. Konjunkturforscher erwarten, dass diese Entlastungen das BIP mit bis zu 0.5% stützen. 2018 sind die Tariflöhne nach der Bilanz des gewerkschaftsnahen WSI-Forschungsinstituts um drei Prozent gestiegen. Weil viele der 2018 abgeschlossenen Verträge mehrere Stufen vorsehen, sind auch für 2019 weitere Erhöhungen absehbar, die sich laut WSI zwischen 2.0% und 3.6% bewegen. Kurzfristig steht das deutsche BIP unter Druck – selbst eine Rezession können wir gegenwärtig nicht mehr ausschliessen. Auf mittlere bis lange Sicht wird entscheidend sein, ob es China und den USA gelingt, den konjunkturlähmenden Handelskrieg im Verlauf des ersten Halbjahres 2019 zu lösen (unser Basisszenario) und ob die Regierung in Beijing neue staatliche Konjunkturimpulse initiiert. Für den deutschen Aktienmarkt sind wir nach dem Crash im Jahr 2018 verhalten optimistisch – sofern sich der Konjunkturabschwung nicht verfestigt, sondern infolge eines gelösten Handelskriegs wieder beschleunigt. Aktuell erscheinen uns zahlreiche Qualitätsaktien sehr günstig bewertet zu sein, was einen Einstieg in den Markt attraktiv erscheinen lässt.
Konklusion:
Deutschland droht, in Q3/Q4 2018 in die Rezession abgeglitten zu sein. Mittel- bis langfristig ist entscheidend, ob die USA und China den Handelskrieg beilegen können.