
Nach den jüngsten Ankündigungen von EZB-Chef Mario Draghi und dem taubenhaften Ausblick von Fed-Chef Jerome Powell befinden sich die Aktienmärkte weiter in Feierlaune. Nach einem der börsentechnisch schlechtesten Mais seit Jahren scheinen zumindest die Marktteilnehmer neuen Mut gefasst zu haben. Dies sollte jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass einerseits die konjunkturelle Abkühlung weiter Bestand hat, was andererseits auch die Gewinnerwartungen der Unternehmen in ein eher fades Licht rückt bzw. rücken sollte. Denn die Erwartungen sind weiter hoch. Zwar verlief die abgelaufene Berichtssaison für das erste Quartal 2019 der DAX-Unternehmen insgesamt zufriedenstellend aus. Wobei der gemeldete DAX-Gewinnrückgang von 10% erwartet worden war. Angesichts dessen und der sich zuletzt teilweise abzeichnenden Konjunkturstabilisierung gehen die ersten Unternehmensanalysten bereits wieder in den Angriff und haben ihre Gewinnprognosen für die kommenden Quartale nach oben angepasst. Konkret heisst dies: Für das Gesamtjahr 2019 wird gegenwärtig ein Gewinnplus von 9% in Aussicht gestellt. Dies bedeutet, dass die DAX-Konzerne im laufenden, zweiten sowie im dritten und vierten Quartal die Gewinne im zweistelligen Prozentbereich steigern müssten. Gemäss Daten von Factset rechnen Analysten im laufenden zweiten Quartal mit einer Gewinnsteigerung von 10% im Vergleich zum Vorjahresquartal, von 20% im dritten und gar 30% im vierten Quartal 2019. Und im Jahr 2020 sollte sich dieser Aufwärtstrend unverändert fortsetzen. Gegenwärtig rechnen Analysten im Schnitt mit einem Gewinnanstieg von 11%. Abgesehen von Basiseffekten bei einigen DAX-Unternehmen erscheinen uns die Gewinnprognosen vor allem als eines: Völlig von der Realität abgekoppelt. Den von zahlreichen Analysten verbreitete Optimismus bzgl. der Gewinnausweitung der Unternehmen können wir angesichts des eher trüben Konjunkturausblicks nicht nachvollziehen. Denn selbst wenn sich die Weltwirtschaft im zweiten Halbjahr 2019 wirklich wieder stabilisieren sollte, erscheinen uns zweistellige Gewinnsteigerungen fast ausgeschlossen. Sollte es also nicht zu einem schnellen Abebben der politischen und handelspolitischen Risiken kommen, muss bereits für Q2 und später Q3/Q4 mit einer zunehmenden Zahl an Gewinnwarnungen gerechnet werden.
Konklusion:
Trotz aller Risiken und Unsicherheiten verbreiten Analysten mit Blick auf die Gewinnausweitungen der Unternehmen Optimismus. Wir können dies nicht nachvollziehen. Wir rechnen mit neuen Gewinnwarnungen.