
Der chinesische Aktienmarkt (China A-Shares, auf RMB lautende Aktien von in China ansässigen Unternehmen, die an den Börsen von Shanghai und Shenzhen gehandelt werden) erlebt seit Monaten einen Boom. Der sog. A-Aktienmarkt spiegelt die kombinierte Marktkapitalisierung der Börsen in Shanghai und Shenzhen wider. Gemessen an der Marktkapitalisierung ist der Markt mittlerweile einer der grössten der Welt. Der A-Aktienmarkt kommt auf ein Gewicht von USD 8.4 Billionen (Stand: Mai 2020). Deutlich grösser sind derzeit nur die Märkte in den USA. Die NYSE kommt auf eine Marktkapitalisierung von USD 21 Billionen und die Nasdaq auf USD 13.8 Billionen. Die Euronext ist mit einer Marktkapitalisierung von USD 4.1 Billionen weniger als halb so gross wie der chinesische A-Markt. Allerdings spielen ausländische Investoren in China nur eine Nebenrolle. Während deren Anteil am US-Markt immerhin 22% und am britischen Markt 35% bis 40% ausmacht, sind es am chinesischen A-Markt gerade einmal 2% bis 3%. Kurzum: Viele international ausgerichtete Investoren haben den Aufschwung seit dem Coronacrash in China komplett verpasst. Einschränkend muss jedoch erwähnt werden, dass die Börsenrallye im Reich der Mitte auch durch politische Massnahmen der Regierung in Beijing angetrieben wurde (Vgl. Ausgabe 27/2020). Zur Stützung der Wirtschaft hat die Regierung gezielte geldpolitische Lockerungen, Steuersenkungen sowie Subventionen und administrative Massnahmen, wie die Rücknahme der 2017 eingeleiteten Schritte zum Schuldenabbau, durchgeführt. Aber die Massnahmen der Regierung zeigt Wirkung. China ist die erste Volkswirtschaft der Welt, die im zweiten Quartal 2020 bereits wieder ein positives Wirtschaftswachstum vermelden konnte. Unter dem Strich erscheint uns der chinesische Aktienmarkt als zukunftsträchtiges, aber auch volatiles Anlagefeld. Mit der Einführung des „Shanghai und Shenzhen Stock Connect“-Programms, dem sog. „nordwärts“ gerichteten Handel, haben sich die A-Aktienmärkte auf dem Festland in Shanghai und Shenzhen auch ausländischen Investoren geöffnet. Das kombinierte durchschnittliche tägliche Volumen des „Nordwärtshandels” der Shanghai und Shenzhen Stock Connects ist von HKD 5.9 Milliarden im ersten Quartal 2017 auf inzwischen HKD 85.0 Milliarden im ersten Quartal 2020 gestiegen, so die Daten der Hong Kong Exchanges and Clearing. Insgesamt ist der Markt mittlerweile zu gross, um ignoriert zu werden. Allerdings raten wir derzeit noch von Investments in einzelne Aktien ab. Punkto Corporate Governance hinkt der Markt u.E. noch immer etwas zurück und die Informationsbeschaffung zu einzelnen Werten ist schwierig. Vor diesem Hintergrund empfehlen wir, via ETF in den chinesischen A-Aktienmarkt zu investieren. Comstage bietet beispielsweise den China A50 ETF (ISIN: LU0947415054) an, welcher Zugang zu den 50 grössten chinesischen A-Aktien bietet. Einen breiteren Zugang bietet die UBS mit ihrem China A ETF an (ISIN: IE00BKFB6K94).
Konklusion:
Der chinesische A-Aktienmarkt hat u.E. ein langfristig sehr grosses Potenzial. Investoren sollten einen Einstieg via eines ETF vorziehen.