
Während die Aktienmärkte in Europa und Amerika im Schlussquartal 2019 nochmals eine Schippe drauflegen konnten, ging es für den chinesischen Markt nur in kleinen Schritten aufwärts. Dass im Frühjahr 2019 erreichte 52-Wochen-Hoch konnte erst zum Jahresauftakt 2020 geknackt werden. Insgesamt hinterlässt China derzeit ein sehr gemischtes Bild – auch für Investoren. Einerseits liegen die Menschenrechtsprobleme des Landes (Stichwort: Uiguren, Tibet und Hongkong) Anlegern schwer im Magen. Andererseits leidet die Wirtschaft unter den Handelsstreitigkeiten mit den USA stark. Allerdings hellt sich zumindest das wirtschaftliche Gesamtbild etwas auf – so stieg zuletzt die Stimmung in zahlreichen Branchen. Anleger mit einem langfristigen Anlagehorizont bleiben bei China am Ball. Ja, die wirtschaftliche Entwicklung des Landes schwächelt. Aber die Regierung in Beijing wird alles in ihrer Macht stehende tun, um den Fall von der Klippe zu verhindern. Zudem wächst die Mittelklasse weiter stark, womit der Konsum im Land weiter steigen wird, was vor allem Internetunternehmen wie Alibaba oder Tencent zugutekommen sollte. Und der Ausbildungsstandard des Landes muss sich punkto Qualität nicht mehr hinter dem Westen verstecken. Jährlich strömen Zehntausende gut ausgebildete Studenten aus den Lehrsälen des Landes. Die Basis für Fortschritt und Innovation ist schon längst gelegt. Das China beispielsweise bezüglich der Entwicklung künstlicher Intelligenz ganz vorne mitspielt, kann nicht nur mit erzwungenem Know how-Zugang oder Technologiediebstahl begründet werden. Beijing hat verstanden, wie wichtig Bildung und Ausbildung für die Zukunft des Landes ist. Im neuen Aktienmarkt 2020 erscheinen uns die Rahmenbedingungen für weiter steigende Notierungen gegeben. Vor allem der an Brisanz verlierende Handelsstreit konnte den Aktienmarkt neuerlich beflügeln. Gemäss Berichten aus den USA soll Mitte Januar 2020 die „Phase-1“ der Entspannung zwischen den beiden Ländern eingeläutet werden. Wir sind zugleich zuversichtlich, dass US-Präsident Donald Trump zudem versuchen wird, den Handelskonflikt im Zuge des US-Präsidentschaftswahlkampfes weiter zu entspannen. Denn für Trump wird es überlebenswichtig sein, den amerikanischen Konjunkturmotor bis zum Wahltag am Laufen zu halten. Allerdings wollen wir nicht verschweigen, dass auch in China der Himmel nicht voller Geigen hängt. Besorgniserregend ist einerseits die horrende Verschuldung. Zwar machen die Staatsschulden gemessen am BIP gerade mal 50% aus. Summiert man die privaten Schulden und Unternehmensschulden hinzu, steigt der Verschuldungsgrad auf mittlerweile fast 300%. Das ist eine beunruhigende Entwicklung. Hinzu kommt die Frage, ob China den Wandel von der Werkbank der Welt hin zu einer eher konsumgetriebenen Wirtschaft wirklich geräuschlos hinbekommt. Die Zeiten, in denen China mit zweistelligen prozentualen Wachstumsraten auf sich aufmerksam machte, sind längst vergangen. Aktuell wächst das Land noch mit gut 6% und viele Beobachter halten es für wahrscheinlich, dass die Wachstumsrate in den kommenden Jahren auf noch 4% fällt. Ob dies ausreicht, um die bis dato prosperierende Wirtschaft des Landes am Laufen zu halten, ist derzeit umstritten.
Konklusion:
Wir sind von den langfristigen Aussichten Chinas überzeugt. Vor allem eine hochqualifizierte Bildungsschicht könnte die Basis für künftiges Wachstum bilden. Aber es gibt Risiken.