
Dass die chinesische Wirtschaft unter dem Handelsstreit mit den USA stärker leidet als ihr ärgster Widersacher, war abzusehen. Im dritten Quartal wuchs die chinesische Wirtschaft um 6.5% – es war das schwächste Wachstum seit dem Jahr 2009. Die schlechte Nachricht: Dies dürfte erst der Anfang einer konjunkturellen Abkühlung sein. Denn der Handelskonflikt mit den USA dürfte nur zu einem kleinen Teil das Wachstum im dritten Quartal gebremst haben. Es ist davon auszugehen, dass die amerikanischen Schutzzölle erst im laufenden Q4 und im ersten Quartal 2019 ihre vollen negativen Kräfte entfachen. Die Regierung in Beijing will dem Vernehmen nach mit Steuer- und Abgabensenkungen in Höhe von mindestens 1% des chinesischen BIP die Wirtschaft ankurbeln. In Zahlen hiesse dies, dass China Steuererleichterungen in Höhe von umgerechnet gut EUR 103 Milliarden anpeilt. Darüber hinaus seien weitere Entlastungen in Milliardenhöhe geplant. Bereits zuvor hatte die People‘s Bank of China den Mindestreservesatz für dortige Banken überraschend stark um 1 Prozentpunkt abgesenkt, was die Banken des Landes um gut USD 174 Milliarden entlasten dürfte. Die staatlichen Massnahmen sind ein deutliches Zeichen dafür, dass die weltweit zweitgrösste Volkswirtschaft infolge des Handelsstreits mit den USA deutlich schneller an Schwung verliert als erwartet, und die Lage scheint sich beim Blick auf den dortigen Aktienmarkt noch deutlich zu dramatisieren. Denn es macht sich die Sorge breit, dass vor allem bei hochverschuldeten Unternehmen die Probleme so gross geworden sind, dass eine Welle an Zahlungsausfällen droht. Vielfach hatten Unternehmen eigene Aktien als Sicherheit hinterlegt, um an Kredite zu kommen. Durch den massiven Kursverfall in diesem Jahr droht nun der Worst-Case: Der Zahlungsausfall und die Zwangsliquidierung! Gemäss Bloomberg beläuft sich das Volumen dieser mit eigenen Aktien besicherten Bankkredite auf USD 600 Milliarden oder 11% der Marktkapitalisierung Chinas. Dass die Lage vielleicht ernster ist, als man im Westen wahrnimmt, machen Aussagen von Liu Shiyu, Chef des Börsenaufsehers CSI, deutlich. Er hatte jüngst versichert, dass die Lokalregierungen diesen börsennotierten Unternehmen mit Kapital zur Seite springen würden. Kein gutes Zeichen!
Konklusion:
Böse gesagt: Die chinesische Wirtschaft ist ein staatliche gelenktes Schneeballsystem, welches nun droht, an seine Grenzen zu stossen – mit unabsehbaren Folgen!