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Fundamentale Analyse - Bankenregulierung

Bankenregulierung droht zum Horrorszenario zu werden
Die Finanzkrise vor mehr als zehn Jahren hat die Notwendigkeit einer griffigen Regulierung der Bankenbranche deutlich zutage treten lassen. Doch wer denkt, dass die Aufsichtsbehörde nach mehr als zehn Jahren einen Schlussstrich ziehen kann und will, der hat sich getäuscht. Denn die Finalisierung von „Basel III“ erhitzt die Gemüter – die Bankenbranche spricht aufgrund der durch die Finalisierung entstehenden hohen Belastungen bereits von „Basel IV“. Der in Basel ansässige Interbankausschuss arbeitet derzeit neue Eigenkapitalstandards für die europäische Bankenbranche aus. Gemäss der Berechnungen der europäischen Bankenaufsicht (EBA) müssten die Banken für Basel III bzw. Basel IV ihr hartes Kernkapital (CET-1) im Hauptszenario um 24% aufstocken – dies dürfte eine Belastung von EUR 91 Milliarden bedeuten. Es könnte gemäss EBA aber auch noch deutlich mehr werden. Die Rede ist von Belastungen in Höhe von EUR 135 Milliarden. Und selbst dies könnte im schlechtesten Fall nicht ausreichen. Denn gemäss einer Studie des renommierten Forschungsinstituts Copenhagen Economics könnten die Folgewirkungen des Regulierungspaketes noch drastischer ausfallen. Nach Berechnungen der Forscher müssen sich Europas Banken bis zu EUR 400 Milliarden an frischem CET1-Kapital besorgen. Dies sind Schockzahlen für die gesamte Wirtschaft. Denn sollten diese Prognose auch nur ansatzweise stimmen, muss davon ausgegangen werden, dass auch die Bankkunden in Form deutlich höherer Gebühren und einer deutlich eingeschränkten Kreditvergabe die neuen Kapitalvorgaben zu spüren bekommen. Vor allem bezüglich einer möglichen Verschärfung der Kreditvergabe leuchten die Alarmglocken. In Finanzkreisen der EU macht bereits das Horrorszenario einer langwierigen Kreditklemme die Runde. Vor allem für Unternehmen, welche über kein externes Bonitätsranking verfügen, könnte sich die Kreditvergabe drastisch einschränken. Sie erhalten heute – auch ohne Rating durch Fitch oder S&P – Kredite von den Banken, wobei die kreditgebenden Banken (in der Regel die sog. Hausbank) das Ausfallrisiko und die davon abhängige Kapitalhinterlegung individuell mithilfe sogenannter interner Modelle berechnet. Dieser Praxis will die Finalisierung von Basel III einen Riegel vorschieben. Es soll ein sog. Output Floor, eine Untergrenze, eingezogen werden. Das Risikogewicht eines Kredits darf diese standardisierte Untergrenze nicht unterschreiten. Für den Fall müsste der Kreditnehmer mehr Kapital unterlegen. Noch ist die Finalisierung von Basel III nicht amtlich – im Frühsommer dieses Jahres will die Basler Kommission den Politikern in Brüssel einen entsprechenden offiziellen Vorschlag unterbreiten. Dieser muss anschliessend vom EU-Finanzministerrat und vom Europaparlament abgesegnet werden – wobei es noch Änderungen geben kann und wahrscheinlich auch wird. Frühestens 2026 soll Basel III dann Inkraft treten. Allerdings deutet sich heute schon an, dass die Banken erneut mit massiven Belastungen zu rechnen haben!

Konklusion:
Mehr als zehn Jahre nach der Finanzkrise ist die Regulierung der Bankenbranche nicht abgeschlossen. Mit den neuesten Ideen schiessen die Regulatoren aber über das Ziel hinaus!