Die Europäische Union hat sich mit Blick auf die globale Erwärmung ehrgeizige Klimaziele gesetzt. So soll beispielsweise die Treibhausgasemission bis zum Jahr 2050 um 80% bis 95% gesenkt werden. Um dieses Ziel zu erreichen, wird Europa noch Milliarden in grüne Projekte pumpen müssen. Die hochrangige Expertengruppe für nachhaltige Finanzierung der EU (EU High-Level Expert Group on Sustainable Finance) schätzt, dass Europa in den kommenden zwei Jahrzehnten weitere EUR 180 Milliarden pro Jahr aufwenden muss, um den globalen Temperaturanstieg unter zwei Grad Celsius zu halten.
Der Markt steckt noch in den Kinderschuhen
Wir sehen vor allem bei kleineren grünen Projekten grossen Finanzierungsbedarf. Denn eines ist klar: Europa kann seine umweltpolitischen Ziele nur erreichen, wenn auch kleine Projekte mit ausreichend Kapital ausgestattet werden. Die Energieeffizienz von Privathäusern muss optimiert, Hybrid- und Elektroautos müssen ebenso wie Ladestationen für E-Autos finanziert und Projekte wie Dachsolaranlagen oder solare Warmwasserbereitung in die Tat umgesetzt werden. Nur diese Projekte sind für den klassischen Finanzierungsmarkt zu klein. Eine Lösung könnte die Bündelung solcher kleinen Projekt-Kredite zu marktfähigen Schuldtiteln sein. Ein Markt, der noch in den Kinderschuhen steckt, dem Branchenbeobachter jedoch vor allem für institutionelle Investoren ein starkes Wachstum voraussagen.
Gemäss Angaben von NN Investment Partners betrug das Gesamt-Emissionsvolumen solcher grünen Verbriefungen im Jahr 2016 gerade USD 5 Milliarden – weltweit. Doch der Trend zur „grünen Verbriefung“ dürfte in den kommenden Jahren deutlich an Fahrt aufnehmen. So schätzt die OECD beispielsweise, dass alleine in der Europäischen Union das jährliche Emissionspotenzial grüner Verbriefungen bis 2020 auf rund EUR 20 Milliarden wächst. Auf globaler Ebene könnte das Volumen der OECD zufolge bis zum Jahr 2035 auf USD 380 Milliarden pro Jahr steigen (OECD-Report: „A quantitative framework for analysing potential bond contributions in a low carbon environment“). „Solche grünen Verbriefungen können für institutionelle Anleger interessant sein, die entweder an der Entwicklung einer neuen nachhaltigen Anlageklasse teilhaben wollen, oder die in Erwartung steigender Zinsen eine Ausrichtung auf hochwertige, variabel verzinsliche Vermögenswerte mit einem attraktiven Risiko-Rendite-Profil anstreben“, schreibt NN Investment Partners. Die Entwicklung von sog. grünen Anleihen (wir berichteten mehrfach über die Anlageklasse) sind zumindest ein Hinweis, dass die Nachfrage nach grünen Investments vorhanden ist.
Konklusion:
„Grüne Verbriefungen“ könnten neben Green Bonds ein weiterer Baustein in einer nachhaltigen Geldanlage werden. Vor allem für Institutionelle ist das Thema sehr attraktiv.