
An den Aktienmärkten in Europa und den USA haben die Bullen weiter das Zepter in der Hand. Mittlerweile nähern sich die Leitindizes auf beiden Seiten des Atlantiks der 20%-Performance-Marke – in nur vier Monaten. Ein Rückschlag scheint angesichts dieses herausragenden Starts in das Jahr 2019 unausweichlich – darin sind sich quasi alle Beobachter einig. Wir hatten bereits in der vergangenen Ausgabe des „the investor – Der Schweizer Börsenbrief“ auf die alte Börsenweisheit „Sell in May and go away but don‘t forget to comeback in September“ verwiesen. Denn wir gehen davon aus, dass der gute Trend an den Kapitalmärkten noch einige Wochen anhalten könnte, in den Sommermonaten aber die längst überfällige Korrektur einsetzen wird. Und diese dürfte ob der Fallhöhe der Märkte durchaus schmerzhaft ausfallen. In unserem Basisszenario rechnen wir mit Verlusten, welche in etwa die diesjährigen Gewinne halbieren könnten; im „worst-case“ könnten die Märkte sogar auf das Ausgangsniveau 2019 zurückfallen. Sell in May and go away, ist dabei nicht immer und für jeden Anleger das richtige Rezept. Zwar zeigen Berechnungen der UBS, dass die Aktienmarktrenditen während der Sommermonate in der Vergangenheit tatsächlich niedriger ausfallen, aber sie waren immer noch positiv. Seit 1928 lag die annualisierte Rendite des S&P 500 zwischen Mai und August bei 2.3%. Klingt nicht überragend, macht über lange Sicht aber einen entscheidenden Unterschied: Ein Investor, welcher 1928 USD 100 in den S&P500 investierte und konsequent eine „Sell-in-May-Strategie“ verfolgt hätte (also jedes Jahr zwischen Mai bis Ende August aus Aktien in 3-monatige US-Treasuries umschichtete), dessen Portfolio wäre heute USD 5‘800 wert. Wäre er jedoch die ganze Zeit über im S&P500 investiert geblieben, so würde er heute über USD 16‘000 verfügen. Für Investoren bedeutet dies zweierlei. 1. Langfristig orientierte Anleger sollten sich an saisonalen Anlagemustern nicht orientieren, sondern allein ihre Anlagestrategie gemäss den gängigen Parametern (Diversifikation, Risikoüberwachung etc.) konsequent umsetzen. „Sell in May“ ist für diese Anleger absolut zu vernachlässigen. 2. Anleger mit einem kurzfristigeren Anlagehorizont, welche ihren Erfolg über die Jahresperformance ihrer Portfolios definieren, sollten die „Sell in May“-Strategie je nach Kursverlauf beachten. Denn Fakt ist: Es gibt deutliche Abweichungen vom oben beschriebenen Muster, welche die Jahresrendite deutlich verbessern oder schmälern kann. Angesichts des diesjährigen Aktienhöhenflugs erscheint uns das Absturzrisiko hoch.
Konklusion:
Sell in May and go away – die alte Börsenweisheit ist nicht für jeden Anlegertypen geeignet. Langfristig orientierte Investoren vergessen den Spruch am besten gleich wieder.