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Jahr 2022

Fundamentale Analyse - Amazon

Nach dem kurzen Kurseinbruch zwischen Anfang März und Anfang April dieses Jahres hat sich die Aktie des Online-Riesen Amazon komplett erholt und notierte jüngst auf dem Rekordniveau von USD 1‘610. Die Aussichten des Konzerns sind für dieses und das kommende Jahr hervorragend. Im Schnitt rechnen Analysten für das laufende Geschäftsjahr mit einem Anstieg des operativen Gewinns auf Stufe Ebit um 96% auf über USD 8 Milliarden. Der Ertrag pro Aktie wird bei USD 12.09 erwartet – ein Plus von über 160% gegenüber dem Vorjahresergebnis. Schwungvoll soll es auch im Geschäftsjahr 2019 weitergehen – wenn auch aufgrund des Basiseffektes weniger dynamisch. Beim Ebit wird im Schnitt ein Plus von über 55% auf USD 12.5 Milliarden prognostiziert. Der Ertrag pro Aktie soll um 54% auf USD 18.63 zulegen. Vor diesem Hintergrund des starken Wachstums erscheint die Aktie auf dem aktuellen Niveau vertretbar teuer gepreist. Das Papier wird gegenwärtig mit einem 2019er KGV von 86 gehandelt. Insgesamt beobachten derzeit 47 Analysten das Unternehmen – 45 von ihnen raten die Aktie zu kaufen. Nur 2 Analysten stufen das Papier auf „Halten“ ein. Egal was der Konzern derzeit anfasst, egal in welches neue Geschäftsfeld der Internetkonzern vordringt – an der Börse wird ein Erfolg bereits kräftig eingepreist. Dass der Konzern mit seinen manchmal sehr optimistischen Prognosen daneben liegt und die propagierte Revolution ausbleibt oder sich zumindest deutlich zäher entwickelt als erwartet, zeigt ein Blick auf den Lebensmittelieferdienst Amazon Fresh. Als Amazon den Dienst im Mai 2017 in Deutschland startete, sprachen viele Händler und Analys-ten davon, dass der Internetdienst die Art und Weise, wie Menschen Lebensmittel einkaufen werden, revolutioniere. Bis heute ist diese Revolution aber ausgeblieben. Die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) etwa kommt in einer aktuellen Studie zu dem Ergebnis, dass der Internethandel mit Konsumgütern wie Obst, Fleisch oder auch Zahnpasta in Deutschland trotz steigender Investitionen der Händler „mehr oder weniger auf der Stelle“ stehe. Im ersten Quartal 2018 stiegen die Umsätze im Vergleich zur Vorjahresperiode nur um 16%. Der Online-Anteil am Gesamtumsatz mit Konsumgütern des täglichen Bedarfs liegt nach wie vor unter 2%. Zum Vergleich: Im Buchhandel verzeichnete Amazon zu einem ähnlichen Zeitpunkt Wachstumsraten im dreistelligen Prozentbereich. Mittlerweile zweifeln erste Experten daran, dass sich der der Online-Lebensmittelhandel noch zum Massenmarkt entwickeln wird. Aus der Branche ist bereits zu hören, dass einige Händler darüber nachdenken, ihre Ausbauaktivitäten wieder zurückzuschrauben. Der Grund: Für Städter ist es meist einfacher, schnell im Quartierladen einkaufen zu gehen, als mit dem Lieferdienst einen Termin zu vereinbaren, an dem man auch noch zu Hause sein muss. Und auf dem Land rechnet es sich schlicht nicht.
Konklusion:
Amazon macht vieles richtig – doch nicht alle Initiativen werden ein Erfolg werden. Entsprechend ist ein Investment auch keine Einbahnstrasse. Es werden Rückschläge kommen.