
So etwas dürfte es in der Börsengeschichte des amerikanischen Uhrenherstellers noch nicht gegeben haben. Nach Vorlage der Zahlen für das vierte Quartal 2017 explodierte die Aktie regelrecht – der Kurs stieg binnen eines Handelstags um fast 90% auf USD 16.97. Zur Erinnerung: Anfang November 2017 hatte die Aktie noch ein historisches Tief bei USD 5.67 markiert, womit sich das Kursplus in den vergangenen vier Monaten auf fast 200% summiert. Fakt ist, dass Fossil im vierten Quartal 2017 deutlich besser abgeschnitten hat als erwartet. Doch bereits von einer grundlegenden Wende sprechen zu wollen, erscheint uns etwas verfrüht. So sank der Umsatz von USD 959 Millionen im Vorjahr auf USD 921 Millionen. Unter dem Strich fiel ein Verlust von USD 79.9 Millionen an, was die Unternehmensführung jedoch vor allem auf Veränderungen im Zusammenhang mit der US-Steuerreform zurückführte. Bereinigt um Sondereffekte wurde ein Gewinn pro Aktie von USD 0.64 erzielt, gegenüber USD 1.03 im Vorjahresquartal. Im Gesamtjahr 2017 musste Fossil damit einen Verlust von USD 478 Millionen verbuchen. Im Vorjahr blieb unter dem Strich ein Minus von USD 78.9 Millionen hängen. Dass die Anleger trotz der Minusvorzeichen in der Bilanz so euphorisch reagierten, lag u.E. vor allem an den noch tieferen Erwartungen auf Seiten der Analysten. Denn diese hatten lediglich einen Umsatz in Q4 von USD 890 Millionen in Aussicht gestellt. Auch beim Gewinn pro Aktie für das vierte Quartal lag die Messlatte mit USD 0.40 deutlich unter dem erreichten Niveau. Unwidersprochen macht der Konzern zwar Fortschritte – so konnte die Zahl der verkauften Uhren im vergangenen Jahr gut verdoppelt und die Erlöse aus diesem Geschäft auf USD 300 Millionen gesteigert werden. Zugleich sollen die eingeleiteten Kostensenkungsmassnahmen greifen, womit sich die Kostenbasis im laufenden Geschäftsjahr um USD 200 Millionen verbessern soll. Doch rechtfertigt dies u.E. nicht diese euphorische Stimmung unter Anlegern. Denn Fossil verliert auf dem wichtigen Heimmarkt USA weiter Marktanteile. Ein Rückgang, der sich auch in den kommenden Quartalen fortsetzen dürfte. Denn, um diesen zu stoppen, müsste Fossil viel Geld aufbringen, über das der Konzern derzeit nicht verfügt. Auch der Ausblick des Unternehmens kommt uns zu schwammig daher. Der Übergang zu Wearable-Technologien werde in diesem Jahr zu höheren Margen führen, versicherte die Fossil Group – diesen Satz haben wir leider schon zu oft gehört, ohne dass sich Wearables bisher durchgesetzt haben. Zudem will Fossil mit einer besseren Performance in den Kategorien Handtaschen und Schmuck sowie stärkeren Online-Verkäufen wieder angreifen und kündigt ein Vorsteuerergebnis in der Bandbreite von USD -60 Millionen bis USD +40 Millionen an.
Konklusion:
Die Kursexplosion in Folge der Zahlenvorlage erscheint uns masslos übertrieben. Wir sehen noch keine nachhaltige operative Wende. Wir ziehen Investments in Swatch vor.